Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (560)

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (560)

Nr. 560 (C. R. – 2862)

 

Farel hatte Calvin nochmals dringend aufgefordert, den Dominikaner zu belangen. Pfarrer Toussaint in Montbeliard, der beim Statthalter, Grafen Georg von Württemberg, großen Einfluss hatte, galt wegen seiner Hinneigung zu Castellio bei Farel und Calvin bereits als Verderber der Kirche (vgl. 420, 431, 537 ). Farel hatte gefragt, ob er nach Montbeliard reisen solle, um den Grafen vor Toussaint zu warnen.

Nochmals vom Pruntruter Handel und über Toussaint.

Was du mir wegen des Pruntruter Handels rietest, habe ich so freimütig und bündig abgewiesen, um allen, die mich zu dieser Reise bewegen wollten, von vornherein die Gelegenheit dazu abzuschneiden, weil ich nicht zweifle, dass manche mir dies als Trägheit vorwerfen werden, aber doch fest entschlossen bin, nichts zu unternehmen, bis Gott uns eine andere Tür auftut. Denn da ich gewiss weiß, obwohl ichs erst spät gelernt habe, dass, was ich unternehmen wollte, durch die geheimen Ränke gerade der Leute hintertrieben würde, die du für unsere Helfer hältst, – soll ich ihnen denn mit Wissen und Willen ins Netz laufen? Es wundert mich nur, dass du, der du ihnen doch viel näher bist, das nicht siehst; es muss die Leidenschaft sein, die dich die in die Augen springenden Gefahren übersehen lässt. Auch halten mich ernste Geschäfte hier zu Hause so fest, dass du alles andere eher von unserm Rate erzwingst, als dass er mich jetzt für länger beurlaube.

Da Toussaint nicht aufhört zu wüten oder wenigstens die Kirche ebenso schändlich und grausam wie treulos zu Grunde zu richten, so sollte wirklich irgendwie Hilfe gefunden werden. Es wäre vielleicht gut, wenn du hinreisest, wenn nicht deine Unkenntnis der deutschen Sprache ein Hindernis bildete. Denn es fände sich kaum ein zuverlässiger, gewandter Dolmetscher, der den Sinn deiner Rede wiedergeben könnte; auch würde ein solches Dazwischensprechen zeitraubend sein und jedenfalls die Wucht deiner Rede in Langweile auseinander fließen lassen. Übrigens, da der Ausgang dieser Sache so ungewiss und die Notlage so dringend ist, so will ich den Herrn bitten, dass er dich lenke mit dem Geist der Klugheit und gesunder Urteilskraft und all dein Wirken segne. Alle Unsern lassen dich grüßen. Lebwohl nochmals und nochmals samt den Brüdern.

Genf, 5. Mai 1558.

Die Lage der Pariser Kirche wirst du nächstens aus einem Briefe unseres Macard kennen lernen.
Dein
Johannes Calvin.

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