Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (537).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (537).

Nr. 537 (C. R. – 2710)

Der Sohn der Marquise de Rothelin (vgl. 529) war bei St. Quentin in spanische Gefangenschaft geraten; sie reiste deshalb von Neuchatel über Genf nach Frankreich. Farel hatte Calvin aufgefordert, selbst mit ihm nach Worms zu reisen. Ohne dass es Calvin wusste, schloss Farel sich auch tatsächlich jetzt wieder Beza an zur Reise. Da die Pariser Gemeinde Beza als Pfarrer wünschte, erging sich Farel in Erwägungen, ob man ihn ziehen lassen dürfe. Er beschwert sich auch, die letzte Antwort an Westphal noch nicht erhalten zu haben. Antoine Carre (Quadratus), ein Schreiber Calvins aus der Straßburger Zeit, war herzoglicher Rat in Montbeliard; auf seine Anfrage hatte ihn Calvin sehr scharf vor Toussaint (vgl. 420, 431) gewarnt. Farel klagte über seinen Bruder Claude, er richte die Familie zu Grunde; wodurch wissen wir nicht.

Calvin will nicht nach Worms. Bezas Berufung nach Paris.

Da ich sehr gewünscht hatte, Euch zu besuchen, tat es mir doppelt leid, dass die Gelegenheit dazu hinfiel. Aber es war wohl doch besser, dass die Mutter Eures Fürsten über Genf reiste, weil sie so einigen Trost empfing und für die Zukunft ermutigt wurde. Wie rasch sie hier durchreiste, wissen die Neuchateller, die ihr das Ehrengeleit gaben; so wenig Zeit wir hatte, so haben wir sie doch in einem sehr guten Gespräch zugebracht, das Frucht bringen wird zu seiner Zeit. Warum ihr Töchterlei nicht nachkam, weiß ich nicht; sie hatte mich nämlich sehr gebeten, es doch auch zur Frömmigkeit zu ermahnen, soweit es das Verständnis dazu in seinen jungen Jahren schon habe.

Verzeih, wenn ich dir nicht beipflichte über eine Reise an die Wormser Zusammenkunft; selbst den guten Leuten, die mein Kommen wünschen, gefiele ein solcher Übereifer nicht, weil dadurch mein Ansehen bei den Gegnern herabgesetzt und auf unserer Seite unnötiger Weise schlimmer Verdacht wachgerufen würde; doch habe ich im letzten halben Jahre dreimal an Melanchthon geschrieben, damit er nicht aufhöre, für ein Religionsgespräch zu wirken; wenn er einmal von selbst ein solches begehrt, so hoffe ich, ihn nicht erfolglos bearbeitet zu haben. Auch Sturm hat auf meine Mahnung hin versprochen, an ihm zu treiben; vielleicht geht er selbst sogar nach Worms, um Melanchthon anzufeuern. Das ist besser, als wenn ich durch eigenen Übereifer mich den hochmütigen Gegnern sozusagen auslieferte, ganz abgesehen von dem Ärgernis für unsere Partei. Wenn du in Betreff Bezas das Für und Wider erwägst, – an den Zürchern liegt es jedenfalls nicht, dass er nicht gehen könnte – bis ins Pfefferland. Sie machen wegen seines Bekenntnisses überall solchen Lärm, dass es mich nur wundert, wie ruhig die Berner bisher geblieben sind; mit drei- und vierfachem Mahnen konnte ich sie nicht beschwichtigen. Da er nun kürzlich Viret nach Bern begleitet hat, werden wir bald wissen, wie er in Bern aufgenommen wurde; ich habe ihn heute wieder aufgefordert, die neue Gesandtschaft zu übernehmen. Folgt er mir, so wird er natürlich auf der Durchreise die verärgerten Zürcher besuchen, die bisher auch die beste Antwort nicht annehmen. Wie kams, dass Beza dir kein Exemplar meiner Antwort an die Sachsen gab, da sie doch in Lausanne zu haben war und er selbst eins hatte? Du hättest sicher von mir eins bekommen, wäre ich nicht, als ich endlich einen zuverlässigen Boten fand, der Meinung gewesen, du habest sie längst gelesen. Carres Brief erhältst du zurück; hast du Zeit, so verschweige mir nicht, ob dich etwa die Grobheit oder Schärfe meiner Antwort verletzt. Dein häusliches Leid musst du dir eben lindern durch Geduld im Ertragen; hüte dich vor allem, wenn du Claude tadelst, das rechte Maß zu überschreiten. Lebwohl, bester Mann und verehrter Bruder. Der Herr leite, behüte und stärke dich auch fernerhin. Grüße die Brüder und Freunde angelegentlich von mir.

Genf, 14. September 1557.
Dein
Johannes Calvin.

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