Calvin, Jean – An Beza in Bern (536).

Calvin, Jean – An Beza in Bern (536).

Nr. 536 (C. R. – 2709)

Am 4. September 1557 war eine Versammlung der evangelischen Gemeinde in Paris überfallen worden; fast 200, meistens alte Leute und Frauen, mit wenig Ausnahmen adligen Standes, wurden verhaftet und auf dem Weg ins Gefängnis von der Menge misshandelt. Deswegen und wegen eines Religionsgesprächs sollte eine Gesandtschaft, Jean Bude und Beza, nach Deutschland reisen, um eine Intervention der evangelischen Fürsten beim König von Frankreich zu erwirken, doch war dazu für Beza erst der Urlaub von Bern nötig; um diesen zu bitten, hatte Calvin Beza in einem verlorenen Briefe bereits aufgefordert. Viret war wegen Angriffen, die er in der Predigt auf die Sittenlosigkeit bernischer Vögte und vornehmer Herren gemacht, beim Berner Rat verklagt worden, weshalb er und Beza in Bern zur Verantwortung waren.

Beza muss nach Deutschland.

Wenn es mir auch nicht entgeht, wie wenig die Aufgabe in Bern deinen Beifall hat, ja wie verhasst sie dir sogar sein mag, so muss ich dich doch um der Sache willen bitten, dich ihr nicht zu entziehen. Herr Bude ließ sich tatsächlich nicht lange bitten; ich hatte ihn kaum mit einem Wörtlein angefragt, als er sich gleich dazu bereit erklärte. Ich bezweifle nicht, dass du gleichen Mut hast, aber du musst eben doch mit geschlossenen Augen drangehen, damit nichts deine Freudigkeit hemmt. Erfährt der Berner Rat etwas von deinem Bekenntnis, so wird er dir zweifellos befehlen, nach Lausanne zurückzukehren; aber darauf wird dann gleich zu erwidern sein, dass du eben deshalb gern noch einmal nach Deutschland reistest, um auf den Wunsch der Zürcher Brüder diesen Missgriff wieder gut zu machen; es scheint sich ja wirklich durch Gottes Fügung eine Gelegenheit zu bieten, vor aller Welt zu beseitigen, was etwa noch Ärgerliches zurückgeblieben ist, was dir wohl keine Mühe kosten wird. Dazu brauche ich gar nicht sagen, wie sehr nützlich es wäre, mit Melanchthon zu reden, der, wie es heißt, noch beständig in Worms ist. Denn wir müssen uns sehr Mühe geben, dass die Zusammenkunft, auf die man uns Hoffnung macht, nicht am Stolz und Eigensinn unserer Parteigenossen scheitert. Auch in Bezug auf die Sache der Pariser ist es, wie du siehst, durchaus notwendig, dass du dich Bude anschließest. Wenn auch wenig Hoffnung auf Erfolg ist, die dich recht ermutigen könnte, so müssen wir doch, weil es unsre Pariser Brüder so dringend wünschen, lieber umsonst arbeiten, als ihnen Anlass bieten zu der Klage, durch unser Zögern (sie nennen es Feigheit) seien sie verraten und verlassen worden. Deshalb bitte und beschwöre ich dich, sofort ohne Bedenken die Reise anzutreten. Warum ich selbst die Gesandtschaft nicht übernehme, das braucht vor dir keine Entschuldigung; wie du auch weiter keiner schärferen Aufmunterung bedarfst, meiner Mahnung zu folgen. Wie Eure Sache in Bern ausgehen wird, das macht mir Sorge; denn nach dem Bericht unseres lieben Pierre Perret ist Euch der Schultheiß sehr feind, obschon ich freilich nicht weiß, ob es wünschenswerter wäre, wenn er Euch günstig wäre. Wie es auch geht, – Viret soll mir möglichst gewissen Bericht geben. Lebt beide wohl, trefflichste Brüder, samt den übrigen Freunden. Der Herr leite, behüte und bewahre Euch bis ans Ende.

Genf, 13. September 1557.
Dein
Johannes Calvin.

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