Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (532).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (532).

Nr. 532 (C. R. – 2680)

Die Verbannten, von Bern unterstützt, brandschatzten immer noch die Umgebung Genfs. Über Bezas Bekenntnis vgl. 527. Der Überbringer war der Genfer Stadtschreiber Roset.

Bedrängnis Genfs durch die Verbannten. Erbitterter Kampf mit den Lutheranern.

Während mich die Verteidigung unseres gemeinsamen Glaubens beschäftigt und ich energisch dafür arbeite, vergelten die Nachbarn in Bern mir das so unbillig, dass ichs vor Traurigkeit nicht erzählen kann; unser lieber Freund, der Überbringer, wird es für mich tun. Und unsre guten Brüder, die Berner Pfarrer, die auf der Kanzel täglich von der Gemeinschaft der Heiligen reden, rührt diese Gefahr nicht im Mindesten. Wenn ihnen unsere Stadt so gar nicht am Herzen liegt, werden sie dann nicht auch ruhig zusehen, wie unsere Kirche zu Grunde geht? Ich rede nicht hyperbolisch. Kommt nicht bald Hilfe, so fällt den Verbannten aller unsrer Bürger Gut zur Beute und sind wir alle hier wie im Kerker, weil sich keiner mehr vor die Stadt wagt. Diese Schmach muss, wenn die Menschen dazu schweigen, die Steine rühren. Doch hoffe ich, dass bald Hilfe kommt, sobald die Sache einmal klar dargelegt ist. Dass bei Eurer Obrigkeit deine Treue und dein Eifer uns nicht im Stich lassen werden, weiß ich.

Ob ich mich gegen die Sachsen recht benommen habe, darüber könnt Ihr nun urteilen; denn ich will lieber mein Buch Euch senden, ehe es ganz fertig ist, als Euch länger in Spannung halten. Da ich weiß, dass ich mir damit nun allen Hass zuziehe, wird’s mich nicht wenig trösten, wenn meine Arbeit wenigstens Euch gefällt. Weil ich fest darauf baue, dass sie Gott wohlgefällig ist, so machts mir kein Bedenken, unverzagt und freudig die ganze Wut dieser Bestien gegen mich zu entfesseln.

Da in Bezas Bekenntnis keine Gefahr liegt, so entschuldige ich ihn gern, wenn er um der Brüder in Frankreich willen sich mäßigte, um die satanischen Menschen versöhnlich zu stimmen; besonders weil er vorher genau erklärt hatte, wie er alles auffasste. Dass er Euch auf der Rückreise nichts davon sagte, geschah bloß aus Unbedachtsamkeit; davon kannst du gewiss überzeugt sein. Auch ich hätte es nicht erfahren, wenn nicht Valerand wieder sein Gift bis hierher gespritzt hätte, derselbe Valerand, der in seinem Ehrgeiz oder seiner Unverschämtheit die französischen und englischen Refugianten zu Frankfurt zwang, das Augsburgische Bekenntnis zu unterschreiben, mit Ausnahme allein des Ausdrucks „der Substanz nach“. Es wurde dann beschlossen, die deutschen Prediger dürften sie weiterhin nicht mehr belästigen, bis die Führer beider Parteien eine Zusammenkunft gehabt hätten. Hätte doch der Eigensinn Eurer Leute nicht verhindert, was für uns so sehr wünschenswert gewesen wäre und was aus mir ganz unerklärlichen Gründen abgewiesen worden ist! Lebwohl, hochberühmter Mann und verehrter Bruder. Grüße bitte Herrn Pietro Martire vielmals von mir, auch Herrn Gwalther und die übrigen Kollegen. Alle Freunde lassen Euch ehrerbietig grüßen.

Genf, 7. August 1557.

Für Herrn Vermigli: Der Graf di Martinengo liegt noch danieder, doch ist keine Gefahr mehr. Vier oder fünf ganze Tage hatten wir alle Hoffnung für sein Leben aufgegeben; jetzt hält ihn nur noch die Schwäche infolge der Krankheit im Bette.

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