Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (533).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (533).

Nr. 533 (C. R. – 2695)

Vgl. 532. Am 10. August 1557 hatte die spanisch-niederländische Armee bei St. Quentin über die Franzosen gesiegt.

Drängen auf Bullingers Zustimmung zu einem Religionsgespräch.

Da ich Euch nun nicht den übrigen Teil meines Büchleins, sondern auch noch ein zweites Exemplar sende, warte ich sehnlich auf dein Urteil. Mögen sie nun auch weiterhin von allen Seiten her gegen mich wüten, ich will stets unverzagt ihre Angriffe aushalten. Denn es kann mir nichts passieren, was ich nicht von Anfang an bedacht hätte, und selbst der Undank gewisser Leute soll nicht zustande bringen, dass mich die Arbeit, die ich unternommen, reut. Ich bin mit dir ganz einer Meinung über den Hochmut und die Verstocktheit unserer Gegner, und doch soll mich das nicht hindern, ein Religionsgespräch anzunehmen, wenns uns angeboten wird. Pflichtest du mir darin nicht bei, dann bin ich allerdings viel zu kühn vorgegangen, da ich für Euch alle bereits Melanchthon gegenüber mich verbürgt habe. Wenn du keine Hoffnung auf Erfolg hast, so weichen auch darin unsere Ansichten nicht gar weit von einander ab; aber, glaub´ mir, die Gegner werden dann doch allerlei zu hören bekommen, was ihren Fanatismus für die Zukunft etwas dämpfen wird, und wenn mich nicht alle Vermutungen täuschen, so werden sie zwar nicht zur Vernunft zu bringen sein, aber doch in milderer Stimmung abziehen. Auch das Privatgespräch zwischen Herrn von Laski und Brenz darf dich nicht abschrecken. Allein und nicht genügend vorbereitet, kam Lasi mit diesem Trotzkopf zusammen, mehr tapfer als klug. Die Lage wird ganz anders sein, wenn Melanchthon, den jetzt nur seine Furchtsamkeit nicht frei heraus sagen lässt, was er meint, sich uns von Herzen gern anschließen wird. Neulich wurde mir ein Brief von ihm gezeigt, den er im Juli an den Frankfurter Rat geschrieben; darin bekennt er – wenn auch nicht offen – seinen Glauben und beklagt sich, – zwar auch nicht direkt, – darüber, dass seine Nachbarn [die Theologen des Herzogtums Sachsen] die Kirche in Verwirrung brächten mit ihren fremdartigen Ausdrücken; auch verhehlt er nicht, dass man über die Allgegenwart des Leibes Christi und die Anbetung im Abendmahl unter den Gelehrten erst einig werden muss. So wollen wir uns zum Religionsgespräch gerüstet halten und nur bei aller freundlichen Milde eine der Knechte Christi würdige Festigkeit mitbringen. Bezas Bekenntnis enthält, soviel ich sehe, nichts, was nicht mit unserer Lehre übereinstimmte. Denn was du sagst über den Ausdruck Substanz, lässt sich mühelos in nichts auflösen; er wird sich auch zweifellos selbst aller Vorwürfe, die du fürchtest, geschickt entledigen. Ich gebe zu, dass er die ganze Streitfrage nicht klar genug dargestellt hat; aber dazu war weder Zeit, noch war es nötig, da nur eine kurze Entschuldigung, kein Bekenntnis, vorzubringen war. Über die Gefährlichkeit der Sache bin ich völlig beruhigt; denn an Bezas Aufrichtigkeit zweifle ich nicht im Geringsten, und er ist gewiss auch nicht so in die Schlinge geraten, dass die Feinde auch nur die kleinste Ursache hätten, sich zu rühmen.

Ich wende mich zu anderem. Obwohl unsre Obrigkeit bisher bei den Bernern noch nichts Billiges erreicht hat, ja eigentlich alle Hoffnungen durch scharfe Ablehnungen zerstört sind, so habe ich doch veranlasst, dass noch einmal eine Gesandtschaft abgeordnet wird. Ist auch das umsonst, so hofft man hier bestimmt auf Hilfe von den eidgenössischen Ständen. Wohin die Berner ihre sonderbare Hartnäckigkeit noch führt, davor habe ich nicht wenig Angst.

Wie käglich man in Frankreich gezittert hat, ist kaum glaublich, jetzt fasst man allmählich wieder Mut nach dem ersten Schrecken. Die Berner meinen, – als ob der König jetzt dazu Zeit hätte, – wir wollten einen geheimen Vertrag mit ihm zustande bringen; wenigstens tun sie dergleichen, um uns nach ihrer Art mit falschem Verdacht zu belasten; denn man glaubt kaum, wie kindisch töricht sie sich in allen Dingen benehmen. Lebwohl, edler Mann und verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir und segne dich und dein Haus auch fernerhin.

Genf, 31. August 1557.
Dein
Johannes Calvin.

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