Calvin, Jean – An Justus Jonas in Wittenberg (509)

Calvin, Jean – An Justus Jonas in Wittenberg (509)

Nr. 509 (C. R. – 2532)

Justus Jonas, Professor der Rechte in Wittenberg (vgl. 350), der Sohn des Freundes Luthers, hatte sich Calvin brieflich als Anhänger erklärt und sich anerboten, seine Schriften gegen Westphal ins Deutsche zu übersetzen.

Calvins polemische Schriften ins Deutsche übersetzt.

Als ich erfuhr, die kleine französische Gemeinde, die in Frankfurt Gastrecht genießt, stehe in höchster Gefahr, und mich die Brüder beschworen, eilends zu kommen und den Brand zu löschen, machte ich mich sofort auf den Weg. Und als ob es nicht genug wäre, mit diesem überaus unangenehmen Geschäft zu tun zu haben, empfing man mich gleich noch mit andern Widerwärtigkeiten. Ich habe gewiss hier noch keine freie Stunde gehabt, so dass ich mich in meine gewöhnliche Tretmühle zurücksehne, um Erholung zu haben. Verzeih also, trefflicher Mann, wenn ich dir nur so kurz antworte. Denn so angenehm mir dein Brief klang, so gerne möchte ich dir auch schreiben, wie mich die Unterhaltung mit dir erfreut und ergötzt. Dass du bereit bist, mein Schriftchen zu übersetzen, ist mir sehr lieb; aber dass du mir freiwillig diesen Dienst anbotest, das war für mich das wohltuendste Zeugnis deines Wohlwollens, das ich erhalten konnte. Nur das gefällt mir nicht, dass Zeit versäumt worden ist, während du meine Erlaubnis abwartetest. Denn hättest du gleich den Plan ausgeführt, wie hätte ich dann so unhöflich, ja so grob sein können, eine so glücklich unternommene Arbeit durch mein Urteil zu missbilligen? Da du nun aber einmal länger gezögert hast, als ich wünschte, so bitte ich dich sehr, den Zeitverlust durch umso größeren Eifer einzuholen. So viel ich sehe, ist die Tollheit unserer Gegner unversöhnlich, so dass wir umsonst versuchen, sie mit Liebenswürdigkeit und Milde zur Einsicht zu bringen. Lassen sie sich also nicht besänftigen, so bleibt nicht übrig, als ihre Unwissenheit und Bosheit aufzudecken. Ganz richtig erkennst du ihren Hauptkniff darin, dass sie sich umso frecher vor der Menge rühmen, als jeder von einer so unbekannten Sache plappern darf, was er will. Wollten doch die Fürsten ihren Sinn auf die Abhaltung einer Zusammenkunft richten. Die nächste Aufgabe ist, dass sich fromme und friedliebende Gelehrte privatim zu einer freundschaftlichen Besprechung herbeilassen. Unterdessen heißt es dafür sorgen, dass die Wahrheit vor dem unwissenden Volke nicht ohne rechte Verteidigung bleibt. Lebwohl, hochberühmter, herzlich verehrter Mann. Der Herr leite dich stets mit seinem Geiste; er halte dich aufrecht mit seiner Kraft und segne dich mit all seinem Segen.

Frankfurt, 17. September 1556.

Falls in Wittenberg Freunde sind, grüße sie von mir. Meine Begleiter, darunter ein Sohn und der Schwiegersohn Budes, und auch Robert Etienne lassen dich grüßen.

Dein
Johannes Calvin.

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