Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (455).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (455).

Die beiden Brüder Comparet hatten auf dem Schaffot alle ihre Geständnisse, die sie auf der Folter gemacht, wieder zurückgenommen. Der Scharfrichter zeigte sich bei ihrer Hinrichtung so ungeschickt, dass er dafür aus Genf verbannt wurde. Fünf Evangelischen wurde in Chambery um ihres Glaubens willen der Prozess gemacht. Der eben als Bürger aufgenommene Refugiant Pierre d´ Aireboudouze, Seigneur d´ Anduze, wurde Pfarrer in Jussy an Stelle von des Gallars.

Die Bestrafung der Verschwörer.

Wenn ich von unsern städtischen Verhältnissen so selten schreibe, so musst du das eher der Langsamkeit derer zuschreiben, von denen ich Stoff zum Berichten erhalten sollte, als meiner Trägheit. Denn da die Zeit durch das langsame Vorgehen hingezogen wird, mag ich dir nicht bloß schreiben, es sei wieder nichts geschehen. Wie schnöde die beiden Brüder versucht haben, bei ihrem Tod wieder alles in Dunkel zu hüllen, ist Euch ohne Zweifel schon zugetragen worden. Doch ists gut, dass ihre Absicht allen durchsichtig ist, die nicht vorsätzlich nichts sehen wollen. Ich bin fest überzeugt, dass sie nicht ohne Gottes bestimmten Willen unter der Hand des Scharfrichters wider den Spruch der Richter beide noch so lange Qual haben erleiden müssen. Die noch in Haft liegen, entdecken nun die Schandtaten der beiden ziemlich offen, wiewohl auch sie die Richter arg anführen wollen. Claude Batard, wie du weißt, ein Busenfreund Perrins, hat eine frevelhafte, schreckliche Verschwörung aufgedeckt, von der man vorher noch nichts erfahren hatte. Der jüngere Berthelier leugnet nicht, durch einen Steinwurf einen Menschen niedergeworfen zu haben, doch suchen beide mit bübischen Späßen alles als nichts dazustellen. Bevor zwei Tage um sind, werden wir hoffentlich wissen, was ihnen die Folter auspresst. Damit die Stadt nicht durch den Weggang so vieler Bürger leer werde, wie sich die Flüchtigen zum Spotte rühmten, ist Vandel nun auch durch Heroldsruf zur Rückkehr aufgefordert worden mit vielen andern.

Von unsern Brüdern, die in Chambery gefangen liegen, kann ich eben nichts anderes berichten, als dass sie mit unglaublicher Freudigkeit sich rüsten, in den Tod zu gehen. Der Ausgang liegt noch in Gottes Hand und ist uns verborgen. Zwei Briefe haben wir von ihnen erhalten; im ersten lassen sie dich grüßen mit den Worten, die ich hier an den Rand schreibe, den zweiten, der an unsere drei Kirchen gemeinsam gerichtet ist, habe ich nach Lausanne gesandt, mit dem Ersuchen, die Brüder möchten dir eine Abschrift zukommen lassen. Viret hat mir neulich, als er von hier abreiste, auf baldiges Wiederkommen Hoffnung gemacht, wenn nichts passiere. Ich bat ihn, wenn er im September wiederkomme, so solle er nicht allein kommen; sieh also, obs dir nicht auch passt. Lebwohl, bester Bruder, trefflichster Knecht Christi. Der Herr leite dich stets, er behüte und segne dich. Grüße deinen Kollegen und die übrigen Brüder. Meine Kollegen lassen dich grüßen; in ihre Zahl ist kürzlich auch d´ Anduze aufgenommen worden, weil des Gallars in die Stadt zurückberufen worden ist, da jetzt mehr Predigten gehalten werden sollen. Auch die Budes, de Normandie, de Trie, mein Bruder und die andern Freunde lassen dich grüßen.

Genf, 24. Juli 1555.

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