Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (454).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (454).

Eine Abschrift des vorigen Briefes sandte Calvin auch an Blaurer in Biel über Neuchatel. Die beiden Brüder Comparet (vgl. 451) wurden am 28. Juni und 3. Juli hingerichtet. Claude Geneve le Batard stammte aus einer illegitimen Seitenlinie der Grafen von Genf und war Perrins Freund. Daniel Berthelier, der als Mitverschworener nachträglich verhaftet wurde, war städtischer Münzmeister.

Weitere kurze Nachrichten über die Verschwörung.

Ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll, mein lieber Freund, als dass meine Schreibfaulheit so schmählich ist, dass ich mich schäme, dafür um Entschuldigung zu bitten. Der Bote hat mich dringlich an seine Abreise erinnert; wenn er aber meinte, der Brief sei fertig, so hat er sich getäuscht. Doch wäre mir noch ein wenig Zeit geblieben, wenn mich nicht vom Abendessen bis in die Nacht hinein einige Geschäfte abgehalten hätten. Jetzt muss ich noch die Predigt für morgen überlegen, und, wenn ich an meine Gesundheit denke, müsste ich auch ins Bett. Deshalb will ich dir nur mit einem Worte melden, dass der Zustand des öffentlichen Lebens so ruhig ist, dass ich noch weniger Muße und Ruhe habe, als in den aufgeregtesten Zeiten. Die beiden Brüder, die hingerichtet worden sind, gaben bis in den Tod das Beispiel heilloser Verstocktheit. Doch ists gut, dass ihre Schandtat von Tag zu Tag mehr aufgedeckt wird. Claude Batard, wie du weißt, ein Busenfreund Perrins, sucht zwar alles Verbrecherische schnöde abzuleugnen, hat aber doch die Hauptsache kundgetan, dass der Auflauf auf Verabredung entstand. Der jüngere Berthelier, der vorgestern verhaftet worden ist, hat bereits angefangen, deutlich zu reden. Doch ich will noch nichts als gewiss darstellen, als was du in dem Brief an Blaurer lesen kannst, was du zwar meistenteils schon vorher wusstest. Lebwohl, bester Bruder. Der Herr sei stets mit dir, er behüte und segne dich. Grüße, bitte, den Herrn Statthalter und die übrigen Freunde, vor allem Christophe und Mathurin. Die Unsern, denen ich deine Grüße ausgerichtet habe, lassen sie erwidern, so die Budes, de Normandie, de Trie und mein Bruder.

Genf, 16. Juli nachts 1555.
Dein
Johannes Calvin.

Eins ist mir entfallen, wenn ich dies nicht schon früher geschrieben habe: Melanchthon schreibt in seinem letzten Brief, er wolle ehrlich und unzweideutig sich über seine Anschauungen in der Sakramentsfrage äußern.

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