Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (397).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (397).

Weggelassen eine Empfehlung zweier englischer Refugianten. In den kirchlichen Kämpfen Genfs standen im Grund Altgenfer und Refugianten einander gegenüber; zu letzteren rechnet sich Calvin. Bullinger hatte Calvin seine dem dänischen König gewidmeten Predigten gesandt; doch ließ sich dieser als Lutheraner mit den Reformierten nicht ein, wie seine Behandlung der englischen Refugianten unter Laski beweist. Der lutherische Pfarrer Joachim Westphal hatte eine Streitschrift gegen Calvins Abendmahlslehre geschrieben; Castellio und vielleicht Sec. Celio Curione in Basel ließen unter dem Pseudonym Martinus Bellius eine Sammlung von Aussprüchen kirchlicher Schriftsteller gegen die Ketzerverfolgung erscheinen, als Antwort auf Calvins Schrift über Servet.

Politische Nachrichten. Angriffe von Westphal und Castellio.

– – Unsere Lage ist nun, wenn auch sachlich noch nicht alles recht geordnet ist, doch so ziemlich ruhig. Der Herr hat die Herde angesehen, die er sich aus mancherlei Orten hierher gesammelt hat. Denn alles Böse musste sie erdulden, ehe die Gegner wichen. Könnte doch unsere Geduld und Milde deren Verruchtheit bessern! Sie können gewiss nicht leugnen, dass ich sehr schwere, persönliche Beleidigungen ruhig hingehen ließ. Ich zweifle gar nicht daran, dass der Herr die Strafe, die sie verdient haben und die sie herauszufordern nicht aufhören, nur ein wenig aufschiebt, um seine Auserwählten zu schonen. Denn von Besserung ist bei unserer Gegenpartei noch gar nichts zu bemerken. Indessen ist, als ob von unsern Wirren in Frankreich nichts bekannt geworden wäre, zur Feier des Osterfestes von allen Seiten eine große Menge zusammengeströmt, und das, obgleich der König Wachen aufstellen lässt zur Besetzung aller Zugänge [in unser Gebiet] und seine Statthalte diesen Befehl eifrig ausführen. Auch der Legat, dieser niederträchtige Verräter, spinnt in seinem nahen Schlupfwinkel Intrigen so viel er kann; doch alle Furcht überwindet ihr frommer Eifer, und durch alle Hindernisse dringen die guten Leute doch durch. In Frankreich wütet man wie gewöhnlich. Neulich hat der König in einzelnen Provinzen ein Edikt erlassen, er werde die Säumigkeit der Richter als Mitschuld bestrafen, wenn sie nicht strenger gegen die Bekenner unseres Glaubens vorgingen. Indessen weiß ich nicht, was es bedeuten soll, dass er seine ganze auswärtige Politik ändert. Er rüstet ein Heer aus, um durch neuen Zunder die englischen Wirren noch mehr zu entflammen. In Marseille wird eine starke Flotte ausgerüstet; die Hauptkriegsmacht aber scheint er gegen Italien zu richten, wenn ihn nicht der Kaiser auf einen andern Kriegsschauplatz zieht. Auch in Euerm Volk [den Schweizern] soll er Truppen werben. Er entfaltet überall eine Tätigkeit, als hätte er im Sinn, Himmel und Erde durcheinander zu bringen. Doch weil er sich von den schlimmsten Plänen leiten lässt und auch in seiner gewöhnlichen Grausamkeit gegen die reine Lehre und in seinem Hochmut nicht nachlässt, so erwarte ich von all diesen Unternehmungen, die er sozusagen gegen Gott unternimmt, nichts als ein klägliches, unglückliches Ende.

Für deine Predigten danke ich dir sehr, nicht nur für die Sendung des Buches, sondern auch für die freundliche, ehrende Erwähnung meiner Person, die ich darin wahrnehme. Du hast recht getan, unsere Kirchen von den bösen Verleumdungen zu reinigen, mit denen die Gegner sie beständig plagen, um zu Zwietracht zu stiften. Übrigens weiß ich nicht, ob du damit beim König von Dänemark viel ausrichtest. Du wirst wohl schon wissen, wie unfreundlich vor kurzem Johannes von Laski, samt der ihn begleitenden Schar Refugianten, von ihm aufgenommen wurde. Es wurde ihm nämlich in einem scharfen Edikt geboten, sofort im strengsten Winter die Grenzen des Königreichs zu verlassen.

Weil du unserm lieben Beza geschrieben hast von einem gewissen Magister Westphal, [so will ich dir sagen], dass ich endlich das Buch habe bekommen können. Ich möchte nun von dir wissen, ob ich wohl antworten soll. Bist du dafür, so will ich mir drei Tage Zeit dafür nehmen. Neulich ist auch in Basel heimlich ein pseudonymes Buch gedruckt worden, in dem Castellio und Curione die Behauptung aufstellen, Ketzer dürften nicht mit Gewalt unterdrückt werden. Dass doch die Pfarrer der Basler Kirche endlich, wenn auch spät, aufwachten, damit das Übel nicht weiter um sich greife! Lebwohl, hochberühmter Mann und verehrter Bruder. Herrn Gwalther, Pellikan, deinen Schwiegersöhnen und den übrigen Brüdern und Kollegen richte viele Grüße von mir aus. Herr Marchese di Vico, unser Celso di Martinengo, Bude, meine Kollegen und viele Freunde lassen Euch alle grüßen. Der Herr behüte dich und dein Haus allzeit und leite dich mit seinem Geiste.

Genf, 28. März 1554.
Dein
Johannes Calvin.

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