Calvin, Jean – An Christoph und Thomas Zollikofer in Lyon.

Calvin, Jean – An Christoph und Thomas Zollikofer in Lyon.

Die Gebrüder Zollikofer von St. Gallen lebten als Kaufleute in Lyon und boten wie Hans Leyner den Gefangenen ihre Hilfe an. Calvin war in Neuchatel gewesen, um den schwer kranken Farel zu besuchen.

Geschäftliches in der Sache der Lyoner Gefangenen.

Sehr liebe Herrn und Brüder, ich schreibe diesen Brief in großer Eile, da ich eben erst in Lausanne angekommen bin. Der Grund dazu ist, dass die gnädigen Herrn von Bern an den König einen so warmen Bittbrief geschrieben haben, dass, wenn sie damit nichts ausrichten bei ihm, wir keine Hoffnung mehr haben, noch einmal darauf zurückkommen zu können. Nun haben uns die Gefangenen gemeldet, man möge sich für die Auslagen der Reise an Sie wenden. So bitten wir Sie, rasch zu erwägen und zu beschließen, was zu tun sei. Haben Sie einen geeigneteren Boten zur Reise an den Hof, so bitten wir Sie, diesem [Überbringer] die Kosten von Bern an und [zur Rückreise] von Lyon ersetzen zu wollen. Sind Sie der Meinung, er solle selbst weiter reisen, so wollen Sie, bitte, Anweisung geben, dass ihm ohne Aufenthalt Geld dazu ausgezahlt wird. Gott wolle in seiner unendlichen Güte die Eilbotschaft etwas nützen lassen, wie wir hoffen. Ich habe mich persönlich an Sie gewendet nach der Anweisung der Gefangenen, und ich glaube, Sie werden es nicht übel nehmen, dass man Sie in dieser Sache in Anspruch nimmt. Indem ich mich Ihnen warm empfehle, bitte ich den lieben Gott, er möge Sie in seiner heiligen Hut halten, Sie führen durch seinen Geist und es Ihnen wohl gehen lassen.

Lausanne, in der Herberge 18. März 1553.

Ihr ergebener Bruder und Freund
Johannes Calvin.

Sie können die Kopien der zwei Briefe lesen, die die gnädigen Herrn von Bern geschrieben haben. Es wäre fast wünschenswert, der erste vom 15. März datierte wäre zurückbehalten worden. Aber nun ists geschehen. Es ist ja dagegen ein gutes Mittel vorhanden, denn der zweite ist wirklich so vollständig, als man wünschen kann. Haben Sie es alles gesehen, so lassen Sie es, bitte, den Gefangenen zukommen. Unser Bruder, M. Pierre Viret, lässt sich Ihnen herzlich empfehlen.

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