Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (362).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (362).

Farel hatte an einer heftigen Lungenentzündung darnieder gelegen, hoffnungslos, wie man glaubte. Calvin hatte ihn besucht, war aber, um nicht sein Sterben mit ansehen zu müssen, rasch abgereist, und hatte in Genf bereits von Farels Tod gesprochen; wider alles Erwarten erholte sich Farel wieder.

Freude über Farels Genesung.

Da ich dir neulich den letzten Freundesdienst erwiesen, wie ich mir wenigstens einbildete, und dann durch meine rasche Abreise dem drohenden letzten Schmerz ausweichen wollte, so bin ich nun, wie ichs verdiente, für diese Voreiligkeit gestraft worden. Wäre es aber nur mir allein so gegangen! Doch das war noch schlimmer, dass ich mehrere andere gute Leute in meine Trauer mit hineinzog. Jetzt aber, neugeboren durch die fröhliche Nachricht von deiner Genesung, vergesse ich meine törichte Scheu. Wahrlich, diese außerordentliche Wohltat Gottes ist wert, allen Grund zur Traurigkeit zu tilgen. Nun da du die Krankheit los bist, musst du dir Mühe geben, die Geistesstärke, die du in den schwersten Konflikten nur allzu sehr gebraucht hast, und die Körperkraft, die ganz gebrochen und verfallen sein muss, wieder zu erlangen. Da ich dich nun vor der Zeit begraben habe, so gebe der Herr, dass die Kirche dich mich überleben sieht. In dieser Bitte ist das Gemeinwohl der Gläubigen mit meinem persönlichen Nutzen verbunden, weil dann die Dauer meines Kriegsdienstes kürzer sein wird und ich davon befreit bin, deinen Tod beklagen zu müssen. Indessen, wenns dem Herrn so gefällt, will ich mich doch nicht weigern, dir dein Lebensende noch so weit hinauszuschieben, dass auch auf mich noch etwa zehn Jahre Arbeit kommen. Übrigens wenn wir nur so für Christum leben, dass wir täglich bereit sind, für ihn zu sterben, so können wir über unsere Zukunft sicher leben. Sorge nun nur recht für die Pflege deiner Gesundheit, damit du dich bald ganz erholst. Wie viele Freunde dich grüßen lassen, kann dir der Überbringer besser mündlich sagen. Lebwohl, bester Bruder. Der Herr, der dich wider unser Erwarten seiner Kirche wieder geschenkt hat, triumphiere immer durch dich über Satan und die Gottlosen. Den Kollegen und den andern viele Grüße.

Genf, 27. März 1553.
In Wahrheit Dein
Johannes Calvin.

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