Corvinus, Antonius – An Elisabeth, Gräfin von Henneberg

Corvinus, Antonius – An Elisabeth, Gräfin von Henneberg

Durchleuchtige, hochgeborne furstin, gnedige frau! E. f. g. seint meine underthenige und schuldige dienste neben meinem gebete zu voran. Gnedige furstin und fraue! E. f. g. mag ich untertheniglicih nicht verhalten, das der durchleuchtiger hochgeborner furst und herr, her Erich, herczog zu Braunschweig und Leunenburg etc., e. f. g. herczlieber sohn, mein gnediger furst und her, mich armen alten man am vergangen sonnabende aus meiner behausung gefenglich, sambt dem pastor zu Pattensen, bis zum Calenperge hat füren udn doselbs bisshero gefenglich bewaren lassen, das ich einen ratschlag oder bedencken aufs interim gemacht, und den die pastores habe unterschreiben lassen. Nu ist e.f.g. bewust, das e.f.g. auf der bischofe emßiges anhalten, der jurisdiction halben, mir solichs zugeschrieben und bevohlen und nach gehaltenem synodo das buchlin, wie ich das mit eigener handt geschrieben, bei sich behalten haben, domit mirs in der widerreise nicht genomen und also in ander leut hende komen mochte, und ist dennoch so glimpflich geschrieben, das ich hoffe, es solle daran sich niemandt ergeren. Weil dan sein f.g. solichen radtschlag oder bedencken kurtzumb von mir haben oder mich sunst nicht loß geben wil, so bitte ich undertheniglich und umb gots willen, e.f.g. wolle seinen f.g. solich buch sobaldt uberschicken, domit ich aus diesem gefengnus erledigt werden muge. Dan ich hoffe zu gott, sein f.g. werden mich noch meiner getreuen dienste und fur dieser zeit gegeben schriftlichen gleite geniessen und mich armen alten betrübten man widerumb in gnaden ledig lassen. Solichs habe e.f.g. ich in aller underthenigkeit nicht verhalten mussen, und wil. e.f.g. dem gütigen lieben gott hiemit in seinen ewigen schutz bevohlen haben. Datum zum Calemperge in meinem betrubnis am dinstage nach Omnium Sanctorium anno etc. 49.

E. f. g.

gehorßamer

Antonius Corvinus.

Nachschrift

Gnedige fürstin und frau! Nachdem ich dennoch auf e.f.g. bevelh und geheis in diesen jamer und not kome, so bitte ich nochmals, um gots willen, e.f.g. wolle mein elend bedencken und in dem, so gebeten, das beste thun. Auch wolle e.f.g. in meinem buche nichts ausleschen, sundern alles, wie es an ime selber ist, pleiben lassen.

Quelle:
Briefwechsel des Antonius Corvinus
Nebst einigen Beilagen.
Gesammelt und Herausgegeben
von Paul Tschackert
Hannover und Leipzig
Hahn’sche Buchhandlung
1900

erl

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