Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (250).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (250).

Die Wahlen im November bedeuteten einen vollständigen Sieg der Gegner Calvins; Perrin wurde wieder in den Rat aufgenommen, auch die Justizbehörden mit Leuten seiner Partei besetzt. – Die Unruhen in Frankreich waren politischer Art, Empörung wegen einer neuen Salzsteuer, keine Verfolgung der Evangelischen. Der in Straßburg erwartete Antiochus ist Karl V.

Ungünstige Neuwahlen in Genf.

Du darfst es nicht meiner Faulheit auf Rechnung setzen, dass du seit deiner Abreise von hier keinen Brief bekommen hast. Ich hatte nämlich niemand, der nach Neuchatel reiste, und einen Brief durch verschiedene Hände gehen zu lassen, ist in diesen Zeiten nicht sicher genug. Dazu weiß ich kaum, was ich dir schreiben soll, denn ich habe nichts zu berichten, was dir nicht mehr Kummer als Freude machen wird. Als Gerichtsstatthalter haben wir jetzt Molard, als Beisitzer wurden ihm beigegeben der älteste von den Söhnen Balthasars [Septs] und ein gewisser Rigot, auch von seiner Partei. Du siehst, dies Jahr droht den Bösen keine große Gefahr von der Strenge der Richter. Wir wollen abwarten, wie weit nun ihre Frechheit geht. Am selben Tag hat auch unser Komödien-Cäsar den Kothurn wieder angelegt; noch grimmiger geworden, bramarbasiert er jetzt unter seinen Mitschauspielern gewaltig von sich. Es ist auch nicht die geringste Hoffnung auf baldige Besserung der Verhältnisse, was wir auch versuchen könnten; und ohne Zweifel wird für die nächsten Syndicswahlen ein großer Umsturz im Staatswesen geplant. Doch der Herr im Himmel wacht.

Die Unruhen in Bordeaux sind beigelegt oder doch zeitweilig unterdrückt. Es wurden Exempel unerhörter Grausamkeit statuiert, die vielleicht bald größere Stürme herauf beschwören. Die Leute von Saintonge halten sich auf den Inseln verborgen. Butzer hat mir neulich geschrieben, auf Mariä Reinigung erwarte man den Antiochus. Soviel ich aus seinem Brief sehe, ist ihr Rat nicht gerade mutig. Auch einen Brief von Bullinger habe ich gestern erhalten. Sobald ich ihm antworte, wirst du alles erfahren. Wenn unser Rat die Druckerlaubnis für meine Schrift gegen das kaiserliche Interim gibt, so werde ich dir durch den nächsten Boten ein Exemplar senden. Weil aber Trolliet bei seinen Anhängern deklamiert, man brauche nicht so viel Bücher und Predigten, fürchte ich, er habe soviel Einfluss, dass ich mich anderswo nach einem Drucker umsehen muss. Lebwohl, bester Bruder und Freund, samt deinen Kollegen, Faton, Michel, Thomas und den andern Amtsbrüdern. Der Herr fahre fort, Euch alle zu lenken mit seinem Geist. Dein ganzes Haus grüße von mir und meiner Frau. Alle meine Kollegen in der Stadt lassen Euch grüßen. Die andern halten sich fromm und recht, ausgenommen die beiden, Philippe [de l´ Eglise] und Louis [Treppereau] in Celigny. Jacques Bernard hatte neulich einen Streit mit einem Neffen Wendelins, der ihn uns näher gebracht hat. Sein Bruder ist vorgestern von hinnen geschieden.

Genf, in Eile. 27. November 1548.
Dein
Johannes Calvin.

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