Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (235).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (235).

Von kirchlicher Solidarität.

Meine Briefe an Bullinger und Haller ließ ich für dich abschreiben, und sie sollen nur so abgesendet werden, wie du es für gut hältst. Denn was mich angeht, so enthalten die Briefe meine ganze Herzensmeinung. Wenn ich darüber Rechenschaft gebe, so tue ichs freiwillig nicht bloß im Blick darauf, dass sich das für aufrichtige Menschen schickt, sondern eher aus Furcht, wir könnten schwer dafür gestraft werden, wenn wir durch knechtisches Schweigen die Tyrannei, die sich diese ungebildeten Gesellen anmaßen, noch bestärken. Gewiss wollen wir Jodocus und solchen Dummköpfen untertan sein, nur sollen sie uns nicht hindern, Christo untertan zu sein. Aber wo Gottes Wahrheit unterdrückt wird, – weh uns, wenn wir so feig wären, es stillschweigend hinzunehmen! Man dürfte es ja nicht dulden, dass einem einzigen Unschuldigen Unrecht geschehe, aber nun richtet sich der Angriff gegen mehrere Diener Christi und seine Lehre selbst. Ists da nicht Zeit, dass alle Frommen miteinander und jeder für sich dem die Stirn bieten? Und doch urteile ganz frei, ohne Rücksicht auf meine vorgefasste Meinung; das erlaube ich dir nicht nur, sondern darum bitte ich dich sogar. Scheint es dir gut, Farel auch mitlesen zu lassen, so besorge ihm eine weitere Kopie, damit ich die beiliegende zurückerhalte. Es tut mir recht leid, dass Euch meine Frau so sehr zur Last fiel, und, wie ich mir denke, deiner Frau im Wochenbett nicht viel behilflich sein konnte, da sie selbst beständig ihrer Kränklichkeit wegen andrer Leute Hilfe braucht. Doch ists mir ein Trost, wenn ich mir sagen darf, dass ihr Besuch Euch doch kein Hindernis war.

Lebwohl, bester Bruder und Freund. Der Herr leite dich und behüte dein ganzes Haus.

[Juni 1548].

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