Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Basel.

Calvin, Jean – An Herrn de Falais in Basel.

Stadthauptmann Perrin reiste über Basel nach Paris als Genfer Gesandter zur Beglückwünschung des neuen Königs Heinrich II.; da Calvin in Verhandlungen wegen einer Wohnung für de Falais mit ihm trat, so scheint er wieder besser mit ihm gestanden zu haben. Über Herrn de Pare, den Freier Fräulein von Wilerzys, vgl. 189.

Nochmals Ratschläge für einen Hauskauf und betreffs der Heiratsgeschichte.

Monseigneur, ich hoffe, dass Ihnen diesen Brief unser Stadthauptmann überbringen wird, von dem ich das Haus für Sie mietete. Er hat im Sinn, über Basel zu reisen, um mit Ihnen darüber zu sprechen. Er machte mir zwei Vorschläge. Der erste war, Sie möchten, wenn es Ihnen so gefalle, ihm eine gewisse Summe auf bestimmte Zeit leihen, und dafür das Haus ohne Miete als Pfand haben bis zur Rückzahlung. Von den Reparaturen, die Sie zu bequemerer Einrichtung vornehmen, würde er einen Teil übernehmen. Der zweite Vorschlag ist der, es Ihnen zu verkaufen. Nun besitzt er es freilich selbst nur auf Rückkauf. Aber er verspricht, er wolle es Ihnen festhalten und sichern als einfachen Kauf. Bei diesem Vorgehen möchte er 300 Taler dafür haben. Ist es Ihre Absicht, es zu kaufen, so machen Sie mit ihm den Preis ab, so billig es eben geht. Sicher ist, dass, wenn er dafür garantiert, es Ihnen festzuhalten, er es kaum für 200 Taler geben wird. Es ist nun Ihre Sache, zwischen den beiden Vorschlägen zu wählen und mit ihm darüber abzuschließen, wenn Sie es für vorteilhaft halten. Treten Sie auf keinen Vertrag mit ihm ein, so wird, wie ich Ihnen bereits gesagt habe, das Haus wohl nicht mehr zu haben sein; Sie müssten dann also sich anderswo umsehen. Denn Sie werden es nicht anders erreichen, dass er es für Ihren Gebrauch herrichten lässt, als in der vorgeschlagenen Art. Und in der Tat, wenn Sie im Sinn haben, Ende dieses Sommers nach Genf zu kommen, so rate ich Ihnen, rasch abzuschließen, damit die Reparaturen vor Ihrer Ankunft gemacht werden und Sie so viel Aufregung und mancherlei Scherereien vermeiden. Ich glaube, der Plan, den ich Ihnen dafür gemacht, würde Ihnen wohl gefallen und es wäre so Ihre Abwesenheit kein Hindernis, und Sie sind dann froh, wenns gemacht ist. Perrin meint, es brauche nicht viel Reparaturen; aber ich schätze, es werde doch nicht unter 40 Talern zu machen sein. Deshalb schiene mir der Kauf vorteilhafter; besonders wenn Sie ihn zu 200 Talern abschließen könnten und er die Garantie für dauernde Gültigkeit übernähme. Ich wünsche, Sie erreichen etwas, das zu Ihrem Vorteil ist.

Herr de Pare kam gestern Abend hier an und besuchte mich gegen neun Uhr. Weil es schon etwas spät war, so hatten wir kaum Muße, miteinander zu reden, so dass ich noch nicht weiß, wie es mit seiner Sache steht. Nachdem ich mit Herrn Maldonade gesprochen, bin ich der Meinung, Sie klären das Mädchen nur über den natürlichen Charakter des Freiers auf, ohne ihr von dem Schaden zu sprechen, den er sich zugezogen hat; denn davon könnte man nachher noch reden. Ich würde ihr nur etwa sagen: Er schläft nicht viel; er ist etwas leichtsinnig, so muss man sich wohl vor einiger Gefahr fürchten, wenn man seine Art kennt. Prüfe dich, ob du es tragen könntest, wenn Gott dich so heimsuchte. Das würde meines Erachtens genügen. Je nachdem Sie dann merken, ob sie noch dazu geneigt ist, können Sie dann in dieser heiklen Sache noch mehr tun. Wir haben Nachricht erhalten von dem Urteil [über Poulain] und er rühmt sich noch damit, obwohl er zugleich sich über die Richter beklagt. Gott gebe ihm bessern Verstand! Ich empfehle mich, Monsieur, ergebenst Ihrer und Ihrer Frau Gemahlin Gewogenheit, richte Ihnen Empfehlungen von des Gallars und meiner Frau aus und bitte den lieben Gott, Sie in seiner Hut zu halten allezeit, Sie zu leiten und zu führen, und Ihnen die Gnade zu verleihen, ihn stets zu verherrlichen.

Die Notiz über den Überbringer dieses Briefes genügt wohl. Ich weiß nicht, ob er noch andere Begleitung bei sich hat; denn er ist sehr eilig abgereist, so dass er, ohne nochmals mit mir gesprochen zu haben, heute Morgen gestiefelt und gespornt zu mir kam, um sich zu verabschieden. Das ist auch der Grund, dass ich mit Maldonade nicht mehr sprechen konnte; denn er ging gestern Abend nach Tournay, um dort zu übernachten. Deshalb kann ich auch keine Empfehlung von ihm ausrichten.

Genf, 26. Mai.
Ihr Diener und ergebener Bruder
Johann Calvin.

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