Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (176).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (176).

Weggelassen sind Bemerkungen über verloren gegangene Briefe und Bücher und über eine Geldsache Virets in Straßburg. Proserpina nennt Calvin Pernette Perrin, geb. Grant, die Mutter des Stadthauptmanns Perrin, Penthesilea, die Amazonenkönigin, Perrins Frau Francoise geb. Favre; ihr Onkel Jean Favre war Tuchhändler. Frellon ist ein Buchhändler in Lyon (Nr. 155).

Skandalgeschichten.

– – Neulich hat ein Bastard aus der Familie Favre, genannt d´ Orbe, eine uneheliche Tochter eines gewissen de Nantou geheiratet. Etwa dreißig Mann hoch zogen sie der Braut entgegen. Du siehst wohl, wie lächerlich ein solches Gepränge war; denn den Bräutigam kennst du als einen ganz und gar verächtlichen Menschen. Und doch hörte man den Lärm, der seinetwegen gemacht wurde, in der ganzen Stadt und zwar zu sehr unpassender Zeit. Denn sie zogen aus, als gerade die erste Predigt gehalten wurde, und während der zweiten Predigt kamen sie zurück. Und was war die Folge? Der Herr hat das ganze Gepränge mit Kot beworfen. Abel [Poupin] segnete die Ehe ein. Als das Ehegelübde gefordert wurde, hatte der Kerl von Bräutigam seine Gedanken anderswo. Man hieß ihn wenigstens nicken; er schüttelte den Kopf. Alles Volk murrte laut. Abel fuhr fort, statt, wie es sich gehört hätte, die Trauungshandlung abzubrechen. Aber er schwört darauf, er habe es nicht gesehen. Unser [Perrin] ist, weil er dabei gelacht hat, vom Rat streng bestraft worden. Denn der Spötter ist für acht Tage in strengen Gewahrsam getan worden und hat heute vor der Gemeinde seine Schuld abbitten müssen. Der Onkel seiner Frau, Jean Favre, sitzt noch im Gefängnis und dem Kerkermeister ist streng verboten worden, ihm etwas anderes als Brot und Wasser zu geben. Und ohne ein paar Stunden Pranger kommt er nicht heraus. Denn er hat offen Gott geleugnet, und als ihm unser Bruder Raymond [Chauvet] Vorwürfe machte, da wiederholte er die entsetzliche Gotteslästerung und sagte nachher, es tue ihm leid, dass er den Pfarrer nicht am Bart gepackt, zu Boden gerissen und mit den Füßen bearbeitet habe. Die alte Proserpina aber hat am Tag, bevor man die Braut so ehrenvoll einholte, den Schwiegervater so zugerichtet, dass ihm ein breiter Blutstrom vom Hinterkopfe rann, sein Gesicht durch Kratzwunden entstellt und er am ganzen Leib mit Kot und Staub bedeckt war. Du kennst ja die Gemütsart der alten Vettel. Man hörte ihn im ganzen Dorf Gott und Menschen um Barmherzigkeit anrufen. Wir haben die Proserpina vors Konsistorium geladen. Aber sie war ausgeflogen zu ihrer Schwester. Was sollte ich tun? Soll ich des einen Mannes Gunst durch Stillschweigen erkaufen, um von der ganzen Kirche als Verräter verurteilt zu werden? Ich werde mir freilich Mühe geben, dass er nie mit Recht böse werden kann. Sicherlich müssen wir auch bald Penthesilea zur Ruhe zwingen. Denn jede schlechte Sache nimmt sie auf und verteidigt sie wütend. Dabei betreibt und bespricht sie alles mit der Frechheit einer Dirne.

Heute kam ein Brief von Frellon, der Kolporteur Pierre [Chapot] sei verbrannt worden. An dessen Tochter zu denken, wollte ich dich auch noch einmal erinnert haben, solange uns der Herr noch Zeit zum Wählen lässt. Doch möchte ich erst genau nachfragen, ehe wir unsern Sinn darauf richten. Lebwohl, bester Bruder und Freund. Grüße alle Kollegen angelegentlichst.

11. August 1546.
Dein Johannes Calvin.

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