Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (154).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (154).

Vgl. 151; die Nachbarn sind natürlich die Berner. Farels Bruder, Gauchier, war wieder frei und mit dem andern Bruder, Claude, offenbar wieder nach Frankreich gereist. Calvins Bruder Antoine hatte in Straßburg Herrn de Falais besucht.

Politisches aus Deutschland und aus Genf.

Von deinen Brüdern haben wir nichts gehört, seit sie hier durchreisten. Über die Wahl deines Kollegen habe ich Viret meine Meinung kurz mitgeteilt. Ich fürchte, ein längeres Zögern würde eine lange Reihe von Unannehmlichkeiten mit sich bringen, die man besser vermeidet als erfährt. Unser Ferron wird, so viel ich sehe, nicht wieder ruhig, bis er anderswohin kommt. Ich erwähnte ihn Viret gegenüber; aber du musst dir die Sache ansehen. Aus Deutschland hat mein Bruder keine neuen Nachrichten gebracht, als dass das Regensburger Gespräch stockt und die Evangelischen in Frankfurt ihre Beratungen fortsetzen. Das Gerücht von einem Bündnis oder wenigstens einer freundschaftlichen Übereinkunft zwischen ihnen und dem König [von Frankreich] sei zuverlässig. Der Kaiser sei durch Chiragra und Podagra ans Haus gefesselt. Der Mann, der in Frankfurt als Gesandter des Königs ist, hat auf der Durchreise einmal bei mir gegessen, und wir haben vertraulich miteinander gesprochen, denn er bekennt, er verdanke mir manches. Indessen arbeite ich doch daraufhin, dass die Evangelischen sich nicht zu bereitwillig zeigen. Ich weise daraufhin, welche völlige Freiheit, die Evangelischen zu verfolgen, gegenwärtig in ganz Frankreich herrsche. Den Erfolg müssen wir abwarten. Du weißt, dass der Papst heuchlerischer Weise nun sehr mit der Abhaltung eines Konzils in Trient beschäftigt ist, und es hüpfen dort schon viele Frösche herum. Doch hört man noch kein vollständiges Gequake.

Könnten wir doch einen Tag nur über unsere hiesigen Verhältnisse miteinander reden! Weil das aber gegenwärtig nicht angeht, so quäle dich nicht unnötig, wenn vieles gerüchtweise ausgestreut wird. Es war zwar nötig für uns, acht zu geben, als unsere Obrigkeit Wachen an die Toren stellte und auch auswärts sorgsamer die Runde machen ließ als gewöhnlich. Aber unvorsichtig war es, dass man zeigte, wie man sich fürchtete. Es geschah freilich, ohne dass ich es wusste oder auch nur ahnte, dass etwas Derartiges geschehen sollte. Unsere Nachbarn [von Bern] ergriffen diese Gelegenheit, kamen und boten sehr freigebig ihre Hilfe an. Niemand war diese übereifrige Güte verdächtig. Mir machte unsere Behörde keine Mitteilung; hin und her wurde verhandelt und man wurde gut einig. Kurz darauf kommt mit einem Mal eine neue Gesandtschaft von Bern mit den unbilligsten Befehlen, gleich der Hauptmann der Besatzung mit seinem Kriegsrat. Man wies sie ab und sie mussten abziehen. Jetzt kann ich mir vorstellen, welche Gerüchte überall ausgestreut werden. Gefahr sehe ich aber keine. Hörst du irgendetwas, so kannst du herzhaft sagen, es sei durchaus kein Streit zwischen uns [und Bern]. Denn da sie sich nun schon selbst ihres Vorgehens schämen, nehmen sie ihre Zuflucht zu den alten Ausreden, man beschuldige sie ganz grundlos usw. Unserer Obrigkeit kann ich kaum beibringen, was in dieser Lage zu tun nötig ist. Das ist nicht zu verwundern. Sie machen ja auch in vielen andern Dingen trotz meines Widerspruchs Dummheiten. Lebwohl, liebster Bruder, trefflichster Freund. Grüße mir alle Kollegen und deine Familie aufs Liebenswürdigste. Der Herr behüte Euch alle mit seinem Geist und erhalte Euch gesund. Genf, 26. Januar 1546.

Ein Schwindler, der es übernommen hatte, dir einen Brief von Butzer zu bringen, ist in Montbeliard geblieben; und du hättest ihn nie bekommen, wäre nicht mein Bruder eigens dorthin gereist, weil der Kerl auch noch viel wichtigere Briefe hatte. Er ist seines Handwerks ein Goldschmied, seinem Verdienst nach aber ein Galgenstrick. Von meiner Krankheit bin ich soweit genesen, dass ich für Predigt und Vorlesung wieder ausreiche; das andere strengt mich alles noch an.

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