Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (134).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (134).

Verteidigung der Waldenser. Von einigen untauglichen Pfarrern.

Ich glaube, es ist nichts besser, als dass von unserm Nicolas mündlich dargestellt wird, was ich ihn schreiben hieß. Denn die Rede eines Augenzeugen wird meines Erachtens für glaubwürdiger und gewichtiger gelten als irgendetwas sonst und kann manche Verleumdung zerstreuen, wie sie die Parteigänger des Königs von Frankreich vermutlich tagtäglich ausstreuen. Denn du glaubst nicht, mit welch verschiedenen Beschuldigungen man die Waldenser Brüder überhäufte, als wir dort waren. Obwohl ich leicht erkannte, aus welcher Quelle diese Anschuldigungen stammten, antwortete ich einfach darauf, ohne die Urheber zu erwähnen. Selbst nach Aarau waren einige Gesandte gekommen, ganz erfüllt von falschen Gerüchten, die ihnen schwer aus dem Kopf zu bringen waren. Ich rate also durchaus dazu, dass Nicolas nach Bern reist und dafür sorgt, dass dem Rat erklärt wird, was er wissen sollte. Ich gebe ihm ein Beglaubigungsschreiben mit der Bitte, sie möchten aus seinem Mund vernehmen, was ich hätte schreiben sollen. Du kannst von dir aus ein Wort an den Schultheißen beifügen, wenn es dir gut scheint. Ich sage es noch einmal, es ist gut, wenn sie nicht kalt werden sollen, dass sie Nicolas selbst noch einmal erwärmt. – – Ich bin hier sehr in Sorgen wegen zweier Pfarrwahlen. Denn Jean, der Pfarrer von Draillant, ist zum Herrn heimgegangen. Der von Cluses aber ist, um seine Gläubiger von der Mühe, ihn täglich aufsuchen zu müssen, zu befreien, durchgegangen; man weiß nicht, wohin. Das haben wieder die Wirtschaften fertig gebracht! Denn durch seine unersättliche Gurgel ist er immer tiefer in Schulden geraten, so dass er kein anderes Mittel fand, wieder herauszukommen. Ich fürchte, ein paar andere folgen seinem Beispiel; denn zwei haben wir, die sich selbst mit der Besoldung von zwei Jahren, wenn sie dabei nüchtern wären, nicht mehr aus den Schulden herausschaffen könnten; und trotzdem hören sie nicht auf, sich verstohlen in die Wirtschaften zu schleichen und dort bei einem Frühtrunk mehr zu verzehren, als sie am Tag haben, um ihre ganze Familie zu erhalten. Doch zurück zur Wahl. Man drängt uns einen gewissen Trolliet auf, weil er ein Genfer Bürger sei; gar vieles an ihm scheint uns allen wenig genehm. Ich für meine Person weiß nicht, was ihn des Pfarramts würdig macht, als eben das, dass [die Genfer wie] die Affen ihre Jungen lieben. Könntest du doch nächsten Freitag hier sein, wenn wir darüber beraten. Wenn nicht, so mach doch, dass du zur Hochzeit von Nicolas des Gallars hier bist, die am Sonntag, heute über zwölf Tage, sein soll. Dass ich mich fest drauf verlasse, du kommest, ist der Grund, weshalb ich so kurz schreibe. Grüße Nicolas herzlich, auch Imbert, Ribit und deine Frau. Der Herr behüte Euch alle. Wenn du kommst, sollst du hören, was in Wittenberg vorgeht.

Genf, 2. Juni [1545].
Dein
Johannes Calvin.

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