Calvin, Jean – An den Rat von Neuchatel.

Calvin, Jean – An den Rat von Neuchatel.

Dies ist der erste Brief, den Calvin im Namen der venerable Compagnie des pasteurs de Geneve geschrieben hat, für die er das Recht und die Pflicht in Anspruch nimmt, von sich aus in Streitigkeiten in den Nachbarkirchen einzugreifen. Es ist ein Empfehlungsschreiben und die Gesandtschafts-Instruktion für Viret, den man nach Neuchatel sandte, wo der Streit so weit gekommen war, dass Farel abgesetzt werden sollte.

Empfehlung und Instruktion Virets zur Schlichtung der Unruhen in Neuchatel.

Hohe, ehrenwerte Herren! da wir gehört haben, dass Ihre Kirche immer noch nicht frei ist von den Unruhen und Streitigkeiten, die kürzlich in ihr entstanden sind, hielten wir es für unsere Pflicht, ein Glied unseres Pfarrkollegiums zu Ihnen zu senden, mit dem Angebot, bei passender Gelegenheit Ihnen in dieser Sache zu dienen; denn unser Beruf und unser Amt bringt es ja mit, dass wir helfen, das Ärgernis zu unterdrücken, das der Teufel unter Ihnen gestiftet hat. Deshalb haben wir uns entschlossen, unsern lieben Bruder und treuen Diener Jesu Christi, der früher Pfarrer an Ihrer Kirche war, zu Ihnen zu senden, um Sie wissen zu lassen, wie sehr wir wünschen, Ihnen im Herrn zu dienen, und wie sehr wir Sorge tragen um das Wohl Ihrer Kirche. Wir bitten Sie, hohe Herren, gütigst anhören zu wollen, was er Ihnen im Namen unseres Kollegiums sagen wird. Wir tun das, um unserm Gewissen zu gehorchen, nach der Pflicht unseres Dienstes am Wort, die uns nötigt, ja dazu zwingt, uns in diese Sache einzumischen, in Anbetracht dessen, dass es eine kirchliche Sache ist und so auch uns angeht, da wir Alle Glieder eines Leibes sind. Unterdessen, hohe ehrenwerte Herren, empfehlen wir uns untertänig Ihrem Wohlwollen und bitten den Herrn Jesu, den einzigen guten Hirten und Lenker seiner Kirche, Sie wohl zu beraten in dieser so überaus wichtigen Sache, und wenn er die Unruhen ganz gestillt hat, die der Teufel in Ihrer Kirche verursachen will, das Werk und den Bau des Vaters im Himmel zu zerstören, dann bitten wir [den Herrn] auch, er möge Sie stets in gutem Glück erhalten.

Genf, 29. September 1541.
Ihre untertänigen Diener im Herrn
Johannes Calvin. Aime Champereau. Jacques Bernard.

Zusammenstellung der Dinge, die auf unsern Wunsch unser Bruder M. Pierre Viret der Regierung von Neuchatel vorstellen soll. Wir bitten ihn, sich an folgendes als seine Instruktion zu halten. Erstens, er soll uns entschuldigen, dass wir uns in dieser Sache einmischen, indem er ihnen erklärt, dass das die Pflicht unseres Amtes ist. Denn die Gemeinschaft der Heiligen bringt hauptsächlich das mit sich, dass Nachbarkirchen gegenseitig für ihre Erhaltung besorgt sind. Wenn eine in irgendwelche Not kommt, so soll die andere ihr helfen. Außerdem liege ihre Kirche uns ganz besonders am Herzen und gehe uns mehr an als andere aus verschiedenen Gründen, die er von sich aus aufzählen kann.

Zweitens soll er ihnen dann zeigen, welche Ordnung nach unserer Meinung in der Kirche eingehalten werden muss, um einen Pfarrer abzusetzen. Nämlich dass man das nach Befehl der Schrift vornehme durch ein Gericht, und zwar ein geistliches, und nicht durch Empörung und Aufruhr. Geschieht es anders, so heißt das Gott Unehre antun und die Rechtsordnung seiner heiligen Stadt stören. Wenn man einen Mann von seiner Stelle stößt ohne Grund und rechte Ursache und ihn zwingt, die Kirche zu verlassen, der er treulich gedient hat, und ihn so ungerechter Weise von dem Beruf abzieht, in den ihn Gott hineingestellt hat, so werde dadurch nicht dieser Mann allein beleidigt, sondern ebenso Gott. Denn seine ordentliche Berufung wird dadurch verletzt und zunichte gemacht.

Ferner, welche Meinung wir von Farel persönlich haben, und in welcher Hochschätzung er bei allen Gläubigen steht. Nämlich dass er nach unserm Urteil stets treu und loyal gewirkt hat im Werk unseres Herrn. Dass man ihm deshalb seinen Dienst nicht nehmen darf, bis man ihn des Gegenteils überwiesen hat, es sei denn gegen Recht und Vernunft. Ferner soll er sie an die schlimmen Folgen erinnern, die sie treffen könnten, sowohl in der Stadt selbst als auch auswärts. Besonders an das Ärgernis, das daraus entstehen würde. Dass ihr Vorgehen nichts andres bedeute, als das Evangelium unseres Herrn in schlechten Ruf bringen bei den Bösen, bei den Guten Anstoß erregen, die Schwachen verwirren. Da ihre Kirche einen guten Ruf habe, so werde sie dann umso mehr verschrieen werden.

Dass in ihrer Stadt der Brand noch viel stärker aufflammen könnte, bis zu Mord und Totschlag. Dass auch unter den Pfarrern eine Art Schisma entstehen könnte. Wenn es ihm gut scheint, kann er einige Beispiele aus der Geschichte anziehen, ohne aber die Gegenwart zu berühren. Schließlich sie daran mahnen, dass der Zorn Gottes zu kommen pflegt, wenn man ihn reizt, und dass das geschähe, wenn eine solche Unordnung statthabe. Er kann dann in seinem Namen beifügen, was ihm gut scheint, wenn er diese Dinge als in unserm Namen dargelegt hat.

Johann Calvin.

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