Philipp Melanchthon – An Veit Dieterich

Philipp Melanchthon – An Veit Dieterich

4.11.1540

Ich bitte den Vater unsers HErrn und Heilandes JEsu Christi, den Schöpffer aller Dinge, daß er euer liebes Weib und Kinder bald wieder gesund mache. Hier wartet man noch auf Granvell und den Päbstlichen Legaten.  Darum ist die Unterredung noch nicht angegangen. Ob aber wol viel Gelehrte beysammen sind, und es scheinet, daß es mehr zu thun setzen wird, als ich vermuthend gewesen: so könnet ihr euch doch freuen, mein Vite (Veit), daß ihr nicht bey diesem Lermen seyd, sondern euch zu Hause mit eurer Kirchen in Ruhe ergötzen könnet, da ihr indessen betet, daß uns GOtt regieren wolle. Es ist mit diesem grossen Gesperr und Schein der Vereinigung nichts anders gesuchet worden, als daß wir durch ein vorgängig Urtheil dieser Gesprächversammlung verdammt werden möchten, weil es mit dem Päbstlichen Concilio nicht hat gehen wollen: oder daß wir doch wenigstens getrennet und unter uns selbser uneinig würden. Aber laßt uns GOtt bitten, daß er uns mit seiner Gnade und Beystand nicht verlassen wolle!

Gehabt euch wohl. Den 4. Nov.

Dr. Martin Luthers Sämtliche Schriften.
Siebzehenter Theil.
Johann Georg Walch
Halle im Magdeburgischen
Druckts und verlegts Joh. Justinus Gebauer

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