Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel

Im Februar 1540 war in Genf ein Umschwung zugunsten der Verbannten eingetreten, durch die Neuwahl des Syndics, der obersten Behörde der Stadt. Jean Blecheret, ein Genfer Jurist. Weggelassen einige politische Notizen.

Nach Genf nicht mehr zurück! Heirats- und Amtsnöte. Der Studentenkrawall.

Ich warte schon so lange umsonst auf einen Brief von dir, dass ich nicht weiß, soll ich überhaupt noch weiter warten. Meine Sehnsucht [nach Nachricht] hält allein meine Hoffnung noch aufrecht und wird’s vielleicht noch ein paar Tage tun. Muss ich aber einmal aufhören zu hoffen, so sollst du es spüren, wie erzürnt ich über diese Täuschung bin. Deine Nachlässigkeit ist umso unerträglicher, da dir doch Genf gegenwärtig Stoff in Fülle gibt zum Schreiben. Denn wenn mir auch du Tally geschrieben hat, so kann ich doch nicht ins Klare kommen aus seinen Worten, welche Wendung diese Geschichte genommen hat. Der Buchdrucker Michel hat mir mit den Worten Blecherets angesagt, meine Rückkehr nach Genf könne bewerkstelligt werden. Aber lieber hundertmal sonst sterben als dieses Kreuz, an dem ich tausendmal im Tag verderben müsste. Ich wollte dir das beiläufig mitteilen, damit du dich männlich den Ratschlägen der Leute entgegenstemmst, die mich dorthin zurückzuziehen versuchen. Damit ich aber nicht den Schein erwecke, Unvernünftiges zu wollen, so will ich dir meinen Plan auseinandersetzen, wenn du willst. Über das Heiraten bin ich noch im Ungewissen. Das ist deshalb schlimm für mich, weil die Verwandten jenes adligen Mädchens sehr in mich dringen, sie zu nehmen. Das werde ich aber niemals tun, wenn mir der Herr den Verstand nicht ganz nimmt. Weil es aber sehr unangenehm ist, abzulehnen, besonders Leuten gegenüber, die mich mit Wohlwollen überschütten, so ists mein heißer Wunsch, aus dieser Schwierigkeit loszukommen. Hoffentlich geschieht das bald. In vier oder fünf Tagen wird eine andere Beschäftigung, die mich ein wenig angreifen wird, mir die Sorge um diese Dinge nehmen. Es haben sich nämlich viele kühn zum Abendmahl gedrängt. Als ich am Ostertag anzeigte, nächsten Sonntag würden wir Abendmahl feiern, verkündigte ich zugleich, es werde niemand von mir zugelassen werden, der sich nicht zur Prüfung einstelle. Die Hauptschwierigkeit wird sein, die törichte Begehrlichkeit zu bessern, von der einige Franzosen so besessen sind, dass man sie kaum aus ihrem Herzen reißen kann. Du weißt, dass verordnet worden ist, sie sollten sich mit ihrer Studententracht zufrieden geben und die Degen ablegen, auch ihre Namen beim Rektor angeben und ähnliches. Um diese Vorschriften zu verhöhnen, sagen sie allem Studium ab. Aber weil das offener Trotz ist, habe ich beschlossen, es keineswegs zu dulden; lieber will ich, dass alle gehen, als dass sie hier bleiben, und die Disziplin leidet Schaden. Leo Jud bat mich neulich, ob er einen der beiden Briefe, die ich vor vier Jahren schrieb, den ersten, deutsch mit meinem Namen herausgeben dürfe. Den zweiten hat er ohne Namen auf diese Messe herausgegeben, nämlich den, in dem ich die papistischen Bischöfe liebkose und ihnen schön tue. Die Antwort, die ich gab, war außerordentlich freundlich, enthielt aber doch einige scharfe Mahnungen. Kurz vorher hatte ich mit ähnlichem Inhalt an Bullinger geschrieben. Hat das guten Erfolg, so weißt du, was ich plane. – – Der Herr erhalte Euch alle gesund. Vor allem lebwohl, trefflichster Bruder. Capito, Sturm, Bedrot, Claude und mein Bruder grüßen dich. Nicolas und die andern wissen nicht, dass ich schreibe.

29. März 1540.

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