Rath von Augsburg an Luther

Rath von Augsburg an Luther

8.9.1535

Dem wirdigen, hochgelahrten Herrn Martino Luther, der heiligen Schrift Doctorn, unserm lieben Herrn, empieten wir, die Burgermeister und Rathgeber der Stadt Augspurg unser freundlich Dienst zuvor. Wirdiger, hochgelahrter, lieber Herr Doctor! Wir haben E. W. zwei Schreiben, Erfreuen und Erbieten, neben unsers Gesandten Doctor Gereon Sailers Relation, uns zu seiner Heimkunft gethon, vernommen, dessen alles, insonder auch des Fleiß von unsertwegen erstlich mit unserm lieben Herrn Doctor Urban Regio und folgends, als der nit erhebt werden mögen, mit Meister Johann Vorster furgewendt, und dann ander Gutwilligkeit, ehgenannten unsern Gesandten bewiesen, wir uns freundlich bedanken, urputig solchs umb E. W. zu erwidern und zu beschulden. Dann fürwahr erfreuen wir uns der geliebten Vergleichung, vermittelst göttlicher Gnaden erreicht, so viel daß wir (ob Gott will) nichts, das derselbigen fürständig, unterlassen, hingegen nichts, das dero abbrüchig oder zugegen sein möcht, furnehmen noch gestatten wöllen; sonder haben wir unsern besondern lieben und guten Freunden, denen von Staßburg, Ulm und andern Oberländischen Städten solche angenommene Concordi und empfangen Freud durch obgemeldten Doctor Gereon alsbald gutherziger Meinung verkundt, die darab nit weniger, dann wir erfreut worden, und so viel an ihnen, darob zu halten auch gesinnet sein, wie E. W. von ihnen selbs auch vernehmen würdet. Hieruf an E. W. unser freundlich Bitt gelangt: ob ihr uber kurz oder lang ichts der Verein entgegen, vorab durch sonder Personen zugeschrieben oder sonst angezeigt würde, daß sie denselbigen Anzeigen hinterrück der Oberkeiten nit Glauben geben, sonder allweg solche Anzeigen und andere ihr Anliegen den Obern selbs zu erkennen geben, daruf ihre Bericht vernehmen wöllen. Dann so bei uns einig Irrung, Secten oder widerwärtig Lehren, das Gott gnädiglich verhüten wölle, entstehen würden, wir solche Verführungen mit Gottes Hilf bei Zeit abzustellen und nach E. W. gegründten Rath in Besserung zu wenden, auch nit weniger, dann andere christenliche Ständ oder Glieder begierigs Fleiß geneigt sein. Den Gott der Allmächtig den christenlichen Kirchen zu Trost in langwieriger Gesundheit gnädiglich fristen und uns alle in steter Einigkeit erhalten wölle. Datum uf 8. Septembris Anno xxxv.

Dr. Martin Luther’s sämmtliche Werke
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von
Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Zehnter Band.
Briefe vom Februar 1534 bis Juli 1536
Calw & Stuttgart.
Verlag der Vereinsbuchhandlung.
1903

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