Luther an Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen

Luther an Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen

Gnad und Friede in Christo und mein pater noster. Durchleuchtigster, hochgeborner Furst, gnädigster Herr! Ich schick E. k. f. G. die gedruckte neue Zeitung wieder und habs alles gern und frohlich vernommen will auch mein arm pater noster (darauf ich mich verlaß in allen Nothen) unter dem lieben Haufen, so da Christen heißen und auch sind, bei und zu dem lieben Kaiser treulich setzen, Gott der Vater aller Barmherzigkeit und Trosts wolle dem lieben Mann sein angefangen Werk seliglich zu Ende fördern, Amen. Und ich danke E. k. f. G. unterthäniglich, daß sie mir solche frohliche Zeitung gnädiglich haben mitgetheilet.

Wir sind hier in große Fahr Sterbens halben, ohn daß mich wundert, wie es doch zugehe, das ich nicht erfahren kann, wer sie doch sind, die mit so großen Haufen sterben. Es muß alles Pestilenz heißen, was krank wird, grade als wäre vor dem nächsten Jahr nicht eben so groß und mehr Kranker gewest. Es ist bisher kein Wunder noch nie gewest, wo zwanzig oder mehr Kinder eine Woche getauft, ob zuweilen auch ein Kind oder zwei die Woche sterben, daneben etwa ein alt siech Mensch, ohn daß itzt solchs muß ein Sterben heißen.

Ob wir aber je so stolz wurden und furnehmen, Hieronymus Weller und M. Johann Medler, der Marggrafin Caplan, zu Doctor machen wollten, bitte ich gar unterthäniglich, E. k. f. G. wollten entweder unsre Briefe gnädiglich empfahen oder befelhen, daß man uns etwa ein Wildpret von der Lochaw zustellen ließe. Denn wir beschlossen haben, die zween zu doctoriren, ehe S. Michael kompt, und den in Meißen, diesen in die Mark zu senden, sofern Gottes Wille ist, damit das Sterben doch nicht so gar uber die Maße und pochen und trotzen musse.

Mein Wetterhahn ist auch hinweg, nicht aus Furcht des Sterbens (als ich dachte), sondern seins Vaters halber (wie billig). Raum haben wir gnug in der Stadt, Gott Lob! aber ich hoffe, es solle besser werden. Befelh mich hiermit E. k. f. G. Christus sei mit E. k. f. G. seliglich hier und dort, Amen. Die Sancti Donati 1535.

E. k. f. G. unterthäniger
Martin Luther D.

Dr. Martin Luther’s sämmtliche Werke
Briefwechsel
Bearbeitet und mit Erläuterungen versehen von
Dr. th. Ernst Ludwig Enders
Zehnter Band.
Briefe vom Februar 1534 bis Juli 1536
Calw & Stuttgart.
Verlag der Vereinsbuchhandlung.
1903

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