Luther, Martin – An eine Ungenannte

Luther, Martin – An eine Ungenannte

7. März 1535

Gottes Gnade und Friede in Christo. Ehrbare, tugendsame Frau. Es hat mir euer lieber Bruder N. angezeigt, wie ihr begierig des hochwürdigen Sacraments beider Gestalt und bedenkt, ob’s möge insgeheim zu Hause empfangen werden.

Und wiewohl auch im Papstthum solcher Brauch gewesen, daß man Partikel in Häusern gehabt für eigen Messe rc.; aber doch um Exempels und ander Ursachen willen will und kann ich’s nicht rathen. Denn mit der Weil möcht es jedermann so wollen brauchen, daß damit die gemeine Kirche und Versammlung verlassen und wüste würde; so es doch ein öffentlich und gemein Bekenntniß soll sein. Könnt ihr’s sonst (wo es zu thun sein will) etwa haben und wollet’s wagen, weil euer Gewissen das gerne haben wollt und gewiß ist: so möget ihr thun im Namen Gottes, dem ich euch befehl mit meinem armen Gebet. Datum Dominica Lätare.

D. Mart. Luther.

Quelle:
Dr. Martin Luthers Briefe an Frauen als Pfingstgabe für die deutsche protestantische Frauenwelt. zusammengestellt von Dr. K. Zimmermann Darmstadt Buchdruckerei von Heinrich Brill 1854

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