Luther – An M. Martin Görlitz Superintendenten zu Braunschweig.

27.11.1531

Gnade und Friede in Christo. Es ist hier die Rede, mein Martin, daß sich Campanus in Eure Stadt eingeschlichen habe. Wenn es dem so ist, so muß ich, wenn ich nichts anders könnte, in der That das Schicksal Eurer Kirche fast sehr bedauren. Denn ich glaube, Ihr werdet ihn kennen, diesen Sohn des Satans, und den Gegner des Sohnes Gottes, welchen er auch mehr dann Arrius selbst lästert. Daher ibtt ich Euch durch Christum, daß Ihr beym Magistrat, und wo Ihr immer könnet, Vorstellungen machet, daß sie solche nicht berufene Furien auf keine Wege aufnehmen, weil ohne Ruf nicht einmal ein Engel anzuhören wäre. Auch Gabriel hatte nicht einmal der Maria die Bothschaft gebracht, ausser nachdem er von Gott gesandt wurde. Sind sie aber so leichtsinnig, einen jeden anzuhören, welcher daher läuft, und weder geschickt, noch berufen ist, so könnet Ihr nicht mit sicherem Gewissen daselbst bleiben. Montags nach Katharin. J. 1531.

Euer
Martin Luther.

D. Martin Luthers bisher grossentheils ungedruckte Briefe. Nach der Sammlung den Hrn. D. Gottf. Schütze, aus dem Latein übersetzt. Erster Band. Leipzig, in Kommission bey Christian Friderich Wappler. 1784.