Luther, Martin – An Philipp Melanchthon

Luther, Martin – An Philipp Melanchthon

31.12.1530

Gnad und Friede in unserm Herrn Christus. Ich konnte nicht viel schreiben, mein philipp, so hält mich die schwäche meines Hauptes im Stubenarreste, daß ich weder ohne Gefahr Briefe lesen, noch das Licht ertragen kann. Es ist ungegründet, was man erdichtet, ich trage keine Sorge meiner Gesundheit, wie Ihr mich in dem vom Peter Weller überbrachten Schreiben beschuldiget. Ich bin hier ganz müssig, es mögten nur unruhige Gedanken etwas beytragen, welche mir doch manchmal selbst Vergnügen machen. Satan schlägt mich zwar mit seinen Faustschlägen, aber da ich schon so viele Tode für Christo ausgestanden habe, so will ich auch für ihn diese Krankheit, oder vielmehr diese Ruhefeyer tragen. Von Eurer Meinung über die Menschensatzungen und andern Sermonen ein andersmal, wann ich Gesundheit halber kann. Indeß grüsset alle, und hoffet auf den Herrn. Aus der Einöde. J. 1530.

Martin Luther.

Quelle: D. Martin Luthers bisher grossentheils ungedruckte Briefe.
Nach der Sammlung den Hrn. D. Gottf. Schütze, aus dem Latein übersetzt.
Erster Band.
Leipzig,
in Kommission bey Christian Friderich Wappler.
1784.

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