Luther, Martin – An Conrad Cordatus.

Luther, Martin – An Conrad Cordatus.

18.10.1530

Gnad und Friede in Christo. Ich weis nichts, und hab auch nichts auf Euer Schreiben zu antworten, mein Cordatus. So sehr häuffen sich dergleichen Klagen aus dem ganzen Lande unsers Fürsten. Es ist dieses eine art einer heimlichen, höchst schädlichen Verfolgung, daß unser Amt so verachtet, so angefeindet wird, und daß man uns dann gar Hungers sterben läßt. Dieses ist nemlich das Schicksal des Evangelii, welches, da es in sein Eigenthum kömmt, die seinigen nicht aufnehmen. Die benachbarten völkerschaften konnten die wahre Religion in Jerusalem nicht unterdrücken, aber sie selbst, ihre Einwohner, unterdrückten sie. Christus selbst wäre nie gekreuziget worden, wäre er nicht nach Jerusalem gekommen. Kein Prophet soll ausser Jerusalem umkommen. Keiner ist ohne Ehre, ausser in seinem Vaterlande. So geschieht es auch jetzt bey den unsrigen. Die Feinde auswärts würden durch all ihr Toben nichts ausrichten. Daher muß unter den unsrigen und bey der Ruhe durch Verachtung, Haß und Hunger das Wort erlöschet werden. Aber auch daher folgt alsogleich die Strafe dieser Bosheit, und wird noch mehr folgen, die Hungersnoth, die schon begonnen hat, und die Pestilenz, und vielleicht auch das Schwerdt, wenn sie so fortfahren. Wenn gott dem deutschen Lande gerne wollte gnädig seyn, so lassen wir es nicht geschehn.

Daher bitt ich Euch, mein Cordatus, entweder ausudauren, gestärkt durch diese Beyspiele Christi und der seinigen, oder Euren harten Zwickauern Euer Amt aufzukünden. Ich sehe weder Hoffnung, noch irgend ein Mittel ab, wie diese zu ändern wären. Wenn wir auch beym Fürsten einkommen, und er gemessene Befehle hinausgiebt, so beobachtet sie doch niemand. Ich spreche dieses aus betrübter Erfahrung. Es wird nicht mehr lang anstehn, da diese grosse Herren das Herzogthum ausleeren werden an Dienern des Wortes, die sie bloß durch den Hunger, um andere Unbilden zu geschweigen, austreiben. Ein andersmal mehr. Denn Ich bin ziemlich schwacher und kränklicher Gesundheitsumstände. Grüsset mir Euren Herrn Superintendenten Niklas, und gehabt Euch wohl in Christo. Amen. Wittenberg an Lucas. 1530

Euer
Martin Luther.

Quelle: D. Martin Luthers bisher grossentheils ungedruckte Briefe.
Nach der Sammlung den Hrn. D. Gottf. Schütze, aus dem Latein übersetzt.
Erster Band.
Leipzig,
in Kommission bey Christian Friderich Wappler.
1784.

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