Melanchthon an Luther.

Melanchthon an Luther.

Philipp Melanchthon (entbeut) M. Luthern seinen Gruß.

Gestern Abend sind die Fürsten in dem Kaiserlichen Hofe gewesen bis halb neun Uhr, und haben diese Antwort erhalten: Der Kaiser wolle ein Concilium halten lassen, aber nach altem Brauch der römischen Kirche, und vielleicht außer Deutschland wegen des Kaisers Geschäfte: indessen solle den Päpstlern Alles wieder erstattet werden Doch ist dieses noch nicht ganz fest beschlossen. Wenn die Unsrigen noch Etwas in den Artikeln vorzubringen hätten, darüber man streitet, so wolle der Kaiser noch acht Tage lang sitzen und es anhören. Darüber werden unsere Fürsten dem Kaiser heute Dank abstatten und anführen, daß sie in Nichts weichen können. In den Turnieren Ferdinand! (da er auf freiem Felde, nach östreichischem Gebrauch und Recht, die Lehn vom Kaiser empfangen,) sind in einem Tage sechs Menschen ums Leben gekommen. Zwei sind drauf gegangen, weil die Büchse zersprungen, und fast alle Umstehende gestreift wurden. Einer von den Soldaten ist, da die Büchse nicht recht gespannt worden und es los gangen, getroffen, daß die Kugel durch den Mund und mitten durch das Gehirn geflogen, daß er gleich niedergefallen und unter dem Rasen begraben worden. Ein Anderer ist von einem grimmigen Spanier, dem er nicht ausweichen wollen, erstochen worden. Der sechste ist unter dem Haufen, da solcher über die Brücke ging, im Gedränge hinunter gestoßen und ersäuft worden. Den Markgrafen von Baden hat das Pferd geschlagen, daß er‘ von solchem Schauspiel weggeschafft worden. Der König selbst ist im Turnier dreimal vom Pferde geworfen worden, wie die Rede geht, und soll das dritte Mal an der einen Seite sehr verletzet worden sein. Gehabt Euch wohl! Gegeben den 8. September.

Quelle:
Philipp Melanchthon's Werke, in einer auf den allgemeinen Gebrauch berechneten Auswahl. Herausgegeben von Dr. Friedrich August Koethe Erster Theil Leipzig: F.A. Brockhaus 1828

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