Luther, Martin – An Martin Baumgartner

Luther, Martin – An Martin Baumgartner

Dem Gestrengen und Ehrnvesten, Martin Baumgartner, Ritteren, zum Kopffstein, Meinem günstigen Herrn und Freund in Christo.

Gnad und Fried in Christo, gestrenger, Ehrnvester, Lieber Herr, Mir ist angezeigt euer Anligen, so sich jetzt begibt, des Evangelii halben: hab auch euer Schrifft gesehen, darinn ihr Trosts begert. Christus unser Herr, der in euch sein Wort und Werck angefangen hat, wölle euch trösten und stercken, durch seinen Geist, daß ihr leiden und thun möget den allerbesten und liebsten Willen, Gottes seines vaters, Amen, und aber Amen.

Ihr wisset aber ohn Zweiffel, das unser Sache, so das Wort Christi haben, nicht anderst stehen kan, denn daß wir fahr und Unglück drüber leiden müßen: Es ist ein Wort des Creutzes, es bleibt auch ein Wort des Creutzes. Aber S. Peter spricht: Es soll uns nicht frembde noch seltzam dunkcen, ob uns eine solche Hitz widerfähret, weil es geschicht zur Versuchung, ob wir mit Ernst oder nicht, das Wort haben angenommen. Es ist allen Heiligen, und dem Haupt selbs aller Heiligen also gangen, wir werdens nicht beßer haben müßen, wöllen wir anderst theilhafftig der Gnaden und des Lebens mit Ime sein, haben Sie den Hauß-Vatter Beelzebub genennet, wie vilmehr seine Hauß-Genossen? Solche und der Sprüche vil können Euch trösten, welcher Ihr gar reichlich vil werdet finden im Psalterio, den müßet Ir fleissig inn Händen haben, lesen, und üben. Uns soll gnug sein, ob alle Menschen uns feind seind, daß Christus unser Freund ist: der so hertzlich freundlich uns zuspricht: Kommet her zu mir alle, die Ir mühselig und beladen seid, Ich will euch erqvicken: Nembt mein Joch auff euch, und lernet von mir, denn ich bin sanfftmüthig und demütig von Hertzen;: So werdet Ir Ruhe finden für eure Seele, denn mein Joch ist leicht, und meine Last ist süße. Hiemit befelh ich euch Gott, dem Vatter alles Trostes, und aller Stärcke Amen, Amen, 11 Septembris, 1528

Martinus Luther

Quelle:
Lutherbriefe Herausgegeben von Lic. theol. Johann Karl Seidemann, Pfarrer zu Eschdorf bei Dresden. Dresden, H.J. Zeh (sonst R. Kori) 1859

Kommentare sind geschlossen.