Oekolampad, Johannes – An Zwingli, Dez. 1525.

Oekolampad, Johannes – An Zwingli, Dez. 1525.

Basel, d. 6. Dez. 1525

Christi Gnade sei immer mit Dir, mein l. Bruder. Dein Urtheil über meinen Brenz scheint mir leider nur zu wahr. Er war vor wenigen Jahren der Wildeste von Allen, die ich sah. Ich aber weiß nicht, welche Erinnye1) ihn aufgestachelt. Ich fürchte für den Absolon, er möchte die Heere seiner Redekunst zu seinem größten Schaden unterhalten. Ich bete, Gott wolle Besseres geben. Ich ermahnte ihn hinlänglich, wenn er anders die Ermahnungen nicht verschmäht. Auch die Straßburger Brüder, namentlich Capito, erinnerten ihn. Es wird aber, wie ich höre, in der Markgrafschaft des Brenz ein ziemlich anmaßender Brief an Buzer gegen unser Buch verbreitet, welchen ich jedoch noch nicht sah. Die Straßburger Brüder sind besorgt, wenn die Sache in einem Gespräch verhandelt werden könnte, und ich würde es wünschen. Denn die Abwesenden widerstehen sehr, weniger die Anwesenden. Ferner, wenn in der That der Freund sich beklagen und das Buch herausgeben lassen wird, so will ich Deinen folgenden Rath ausführen, damit er sehe, was es sei, in so wichtigen Dingen jugendlich spielen. Die Standhaftigkeit Deiner Bürger, die mit solchem Glauben das Göttliche ehren und nicht klüger handeln könnten, erquickte mich außerordentlich. Denn wer mag gegen uns sein, wenn Gott für uns ist? Wäre dieser nicht für die, die auf ihn trauen, für wen sollte er denn sein? Möchten doch die Basler einmal nachahmen. Aber sie sind allzu weichlich, um nichts anderes zu sagen. Unser Weihbischof erhielt einen Nachfolger für den Predigtstuhl in dem Weihbischof von Freisingen, wenn ich nicht irre, dem Wolf, (vor dem keine Gefahr zu befürchten ist). Es heißt aber auch, Tregerius Augustinensis, der von der Landschaft ist, werde hier das Predigtamt bekleiden. Wie ich sehe fürchtet Satan für sich. Wir erwarten, welche Neuigkeiten unsere Gesandten vom Reichstag bringen werden. Denn es drohen die Gegner, die jedoch ohne des Herrn Willen nichts vermögen werden. In diesem ruhe unsere Hoffnung. Lebe wohl mit allen Deinen Geliebten in Christo.

Joh. Oecolampadius.

Quelle:
Auserlesene geistvolle Briefe Der Reformatoren und sonstiger bedeutender Männer der evangelischen Kirche Zur christlichen Erbauung und Belehrung von C.E. Renner, evangelischem Pfarrer. Stuttgart. C. Cammerer (früher H. W. Beck’S Verlag.) 1862

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