Ursula Friedrich Tetzlin, von wegen jrer dochter, contra die Abtissin und Convent zu St. Claren allhie. Feria 4 vigilia purificationis Mariae, 1525.

Ursula Friedrich Tetzlin, von wegen jrer dochter, contra die Abtissin und Convent zu St. Claren allhie. Feria 4 vigilia purificationis Mariae, 1525.

Fursichtig, erbern vnd weiss, gunstigen lieben hern! mein lieber hausswirt seliger vnd ich haben verschinen jaren vnser liebe tochter in ewr weissheit sant klaren kloster geholffen, anders nit wisiset, wir geben dan got ein lebentig opffer, vnd das jr ein abwaschung jrer sundt were, vnd jr kloster leben ein fuderung der selle heile. Nu hab‘ ich aber durch horn vnd lessen so vil gefunden, das ich gentzlich halt, der kloster sand sey got vnbekant, und nichts anders, den ein menschen gedichte, gleisnerische absunderung. Derhalb mich mein gewissen getungen hat, die selben mein tochter neben beden meinen lieben prudern von der erwirdigen muter abtassin wider vmb zu erfordern, das sy geantwuwrt hat, nach dem sy mit ewr weisheit wissen vnd willen dy selben mein tochter eingenumen hab, wöl jr nit gepurn, die on ewr weissheit wiligung wider vmb her auss zu geben. Dar umb sy es an ewr erberkeit durch ein suplycatzyon gelangen wölle lassen. Die weil sich aber solchs verzeucht, drinckt mich mein vnd meiner tochter sellen heil, ewr fursichtigkeit vmb gotes willen zu ermanen vnd zu pitten, ewr fursichtig weissheit wollen zu hertzen nemen, das mein tochter in jren vnverstendigen jaren vnd zwischen gutem vnd possem nit vnterschit gewist hat, als nemlich 14 jar jrs alters in disse gefencknuss kummen ist, vnd das cristus am jungsten gericht nit erfodtern wird petten, vasten, schweigen, cleider, eyr oder fleisch, sunder allein glauben vnd liebe des negsten, vnd mir darauf geholffen sein vnd verfugen, das mir mein tochter ein zeit lang wider umb in mein behaussung geantwort werd, will ich ewr weissheit verheissen, vnd wo nit, mit meinem prudern verpurgen ,wen sy jm wort gotes vnterricht wird, das sy den pey munschen nit suchen derff, jrent halben hunger an der sele lid, vnter richt ist, das dy aller ding frey vnd vngetrangt sein sol. sy beleib heraussen vnd nem mit mir vergut, mit mir armen witib vnd jren geschwisterten, oder gee wider vmb ins closter, da sy vieleicht ein pesser vnd genugsamer leben hat; damit mein gefangen gewissen zu ru gestelt werde. Sold eben solchs durch dy wirdig muter aber mein tochter ab geschlagen werden: so wil ich verhoffen, ewr fursichtigkeit, als vnser ordentliche oberkeit, werden dye ungehorsam meines kinds gegen mir jrer muter stand vnd vnser beder sellen dyss thuns hjalben gunstigklich zu bedencken wissen, dar auf ich vns bede ewr weissheit bit befolhen zu haben. v. s. w.
gehorsame witib
vrsula friderich tectzlin.

6.2.1525

Quelle: Zeitschrift für die historische Theologie
Neunter Band/ Neue Folge. Dritter Band.
Leipzig 1839
Verlag von Carl Cnobloch.

Kommentare sind geschlossen.