Ulrich von Hutten an Martin Luther (1520)

Ulrich von Hutten an Martin Luther (1520)

Wach auf, du edle Freiheit! Wenn du in der Sache, welche du dort mit großem Ernst und andächtigem Gemüth beginnst, Hinderung findest, wie ich sehe, muß es billig meinem Herzen Bekümmerniß machen. Auch ich habe hier etwas ausgerichtet. Christus sei mit uns, Christus sei unser Helfer, um welches willen wir uns jetzund hart bemühen, seine Sache zu fördern und seine heilsame göttliche reine Lehre, so durch die Finsterniß der päbstlichen Satzungen verdunkelt worden, wieder lauter und unverfälscht an das Licht des Tages zu bringen. Solches treibest du gewaltig, ich nach meinem Vermögen, so viel ich kann. Wollte Gott, daß es alle verständen und merkten und sich selbst ohne unser Zuthun und Ermahnen erkennten und wieder zu der rechten Bahn kehrten! Es geht die Sage, daß sie dich excommuniciret und in den Bann gethan haben. Wie bist du so selig, o Luther, wie selig bist du, wenn das wahr ist. Denn von dir werden alle fromme Herzen sagen: Sie rüsten sich wider die Seele des Gerechten und verdammen unschuldig Blut; aber der Herr wird ihnen ihr Unrecht vergelten und sie um ihrer Bosheit willen vertilgen. Der Herr, unser Gott, wird solches thun, das ist unsere Hoffnung und Zuversicht.

Doch schaue du vorsichtig umher, vertraue ihnen nicht, sondern habe Acht auf sie mit Augen und Herzen. Denn was meinest du wohl, was für ein Unglück, Herzeleid und Nachtheil der ganzen Christenheit es bringen würde, wenn du jetzund fallen solltest. Doch ich weiß, was dich angehet, du möchtest lieber sterben, als so leben. Mir ist auch wohl bewußt, daß sie mir heftig nachstellen; darum will ich mich auch wohl vorsehen und hüten, so viel ich kann.

Man sagt, der Eck komme wieder von Rom, abermal vom Pabst mit vielen Canonicaten und großer Summe Geldes begabet. Aber was fragen wir darnach! Der Gottlose wird gelobt in seinen Begierden, uns aber wolle der Herr bei seiner Wahrheit behalten. Und darum hassen wir die Kirche der Boshaften und wollen nicht wohnen bei den Gottlosen.

Der Eck hat mich auch angegeben, als hielte ich es mit dir, und darin hat er nicht die Unwahrheit gesagt. Denn in allem, was ich von dir gehört, hab ich stets deine Meinung gehalten. Daß wir aber zuvor Gemeinschaft gehalten mit einander, wie er sagt, und uns zusammen verschworen haben, ist nicht wahr, sondern von ihm, dem römischen Bischof zu Gefallen, fälschlich erdichtet und erlogen. O wie ein unverschämter, heilloser Mensch muß er sein! Doch muß man sehen, wie man ihm nach seiner Bosheit vergelte und bezahle, nach dem er verdient hat.

Sei du nur fest und stark und wanke nicht! Aber was ermahne ich, wo es nicht vonnöthen ist? Ich will dir in allem, es gehe wie es wolle, getrost und treulich beistehen. Darum magst du mir künftig alle deine Anschläge sicher vertrauen. Wir wollen durch Gottes Hülfe unser aller Freiheit schützen und erhalten und unser Vaterland von alledem, damit es bisher unterdrücket und beschweret gewesen, getrost erretten. Du wirst sehen, Gott wird uns beistehen. Und wenn Gott mit uns ist, wer mag wider uns sein! Gehab dich wohl in dem Herrn Christo. Grüße von mir den Herrn M. Ph. Melanchthon und alle fromme und aufrichtige Männer, so zu Wittenberg sind. Gegeben eilends zu Mainz, den 4. Juni im Jahr 1520.

Kommentare sind geschlossen.