Luther, Martin – An Johann Lange (18.5.1517)

Luther, Martin – An Johann Lange (18.5.1517)

Ich habe keinen andern Anlaß, Euch zu schreiben, als daß ich den pater, der Euch dies überbringt, nicht ohne Brief und Gruß zu Euch entsenden will. Ich habe mich, Gott sei Dank, beruhigen können, da Frater Johannes Gumann wohlbehalten heimgekommen ist. Der ehrwürdige Vater Vikarius schreibt, er wolle ehestens bei uns eintreffen.

Unsre Theologie und St. Augustinus kommen wacker vorwärts und herrschen unter Gottes Beistand auf unsrer Universität. Aristoteles steigt immer mehr von seiner Höhe herab und ist dem Fall für alle Zeit gar nahe; allen sind die Vorlesungen über die Schulbücher der Sentenzen wunderbar widerwärtig und niemand kann auf Zuhörer hoffen, wenn er nicht diese Theologie, das ist die Bibel oder St. Augustinum oder über einen andern hochgeehrten Kirchenlehrer lesen will. Gehabt euch wohl und betet für mich. Dienstag nach Vocem Jucunditatis (18. Mai) Anno 1517.

Bruder Martin Luther.

Es grüßt euch Meister Christian Goldschmidt, der eben gegenwärtig ist.

Kommentare sind geschlossen.