Calvin, Jean – An die Ärzte von Montpellier.

Calvin, Jean – An die Ärzte von Montpellier.

Nr. 755 (C. R. – 4077)

Philibert Sarasin war seit Textors (vgl. 150, 299) Tode Calvins Hausarzt. Evangelische Professoren der Medizin in Montpellier waren Antoine Saporta und Guillaume Rondelet; evangelischer Pfarrer in Montpellier war Michel Manny.

Krankheits-Katalog.

Als mir kürzlich Sarasin, der Arzt, dem die Fürsorge für meine Gesundheit anvertraut ist, Arzneien anbot, die Ihr mir zur Linderung meiner Leiden verschrieben hättet, da fragte ich, wer sich die Mühe genommen habe, Euch ohne mein Wissen zu konsultieren. Er antwortete, auf Bitten unseres Kollegen in Montpellier habe er die Hauptsache dazu getan, Euch, wie es dem Kollegen gut schien, um guten Rat für mich zu bitten. Aus Eurer genauen Antwort sehe ich, wie lieb Euch mein Leben ist, dass Ihr Euch freiwillig solche Mühe um seine Verlängerung macht. Hättet Ihr auf mein Verlangen mir diese Bemühung ohne Schwierigkeit bewilligt, so wäre das schon ein nicht zu verachtender Liebesdienst gewesen; nun da Ihr mir zuvorgekommen seid, bin ich Euch umso mehr verpflichtet. Freilich kann ich Euch meine Dankbarkeit auf keine andere Art und Weise bezeugen, als indem ich Euch bitte, aus meinen Schriften Eurerseits die geistliche Arznei zu nehmen, die Euch darin geboten wird. Schon vor zwanzig Jahren erwiesen mir die ausgezeichneten Pariser Ärzte Acatius, Tagaut und Lecoq dieselbe Freundlichkeit. Aber damals fochten mich weder Podagra-Schmerzen an, noch machten mir Nierensteine und Harngries zu schaffen, noch plagten mich Kolikschmerzen, noch machten mir Afterschmerzen Beschwerden, noch ängstigte mich der Bluthusten. Haufenweise stürmten alle diese Feinde wie mit einem Mal auf mich ein. Sobald ich von einem Wechselfieber genesen war, packte mich ein schwerer, scharfer Schmerz in den Beinen, legte sich dann ein wenig, kam aber ein zweites und drittes Mal wieder. Schließlich wurde er zur Gliedersucht, die sich von den Füßen bis zu den Knien erstreckte. Lange hat mich auch eine Art Geschwür in den Hamorrhoidalgefäßen geplagt, weil ich im Schlafen mit den Nägeln daran gekommen war; dann kitzelten mich Mastdarmwürmer, die ich aber jetzt wieder los bin; als aber das Jucken wieder kam, verschlimmerte sich das Übel durch das Kratzen mit den Nägeln wieder. Bei dieser Gelegenheit befiel mich letzten Sommer auch ein Nierenleiden. Denn da ich das Reiten nicht mehr ertrug, ließ ich mich einmal in einer Sänfte aufs Land tragen; auf dem Heimweg wollte ich eine Strecke zu Fuß gehen; ich war kaum eine Meile weit gekommen, als mich eine Mattigkeit in den Lenden zum Stillstehen zwang, und als ich Wasser lassen wollte, kam zu meiner Verwunderung statt des Urins Blut. Als ich heimkam, legte ich mich zu Bett; das Nierenleiden plagte mich hart und ließ sich mit Arzneien nur ein wenig lindern. Als schließlich nicht ohne sehr schmerzhafte Anstrengung ein Blasenstein abging, ließ das Leiden nach; der Stein war aber so groß, dass der die Adern verletzte, und das Ausströmen des Blutes konnte nur durch eine Injektion von Frauenmilch gestillt werden. Seitdem habe ich schon sehr viele [solche Steine] herausgeschafft, und das drückende Gefühl, das auf meinen Lenden lastete, zeigt deutlich genug, dass dort ein wahrer Steinbruch ist. Doch ists gut, dass es seither nur kleine oder mittelgroße waren, die abgingen. Das Stillsitzen, zu dem mich meine kranken Füße zwingen, nimmt mir alle Hoffnung auf Heilung, am Reiten hindern mich die Schmerzen im Gesäß. Denn wenn auch kein Geschwür mehr sichtbar ist, sind doch die Blutgefäße [im Darm] noch angeschwollen, so dass, was ich herausbringe, durch die innere Zusammenpressung so dünn geworden ist, dass es sich nur wenig von Hühnerdreck unterscheidet. Ein anderes Übel ist, dass die im Magen schlecht verdaute Speise zu einem Schleim wird, der dick wie Leim den Ausgang verstopft; so muss ich oft mit Klystieren nachhelfen. Doch es ist recht unbedacht von mir, dass ich als Lohn für Eure Arbeit Euch nun doppelte Arbeit mache, nicht mit einer neuen Konsultation, sondern nur mit dem Durchlesen meines Geschreibsels. Lebt wohl, hochberühmte und in aufrichtiger Hochachtung verehrte Männer. Der Herr leite Euch stets mit seinem Geiste, halte Euch aufrecht mit seiner Kraft und mache Euch mehr und mehr reich an seinen Geistesgaben.

[Genf, 8. Februar 1564.]

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