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Schlagwort: Württemberg Anna Maria von

Katharina Brenz Wittwe an die Herzogin Wittwe.

Katharina Brenz Wittwe an die Herzogin Wittwe.

20. Novembris 1570.

Durchleuchtige Hochgeborne Fürstin, Gnedige Fraw. E. F. G, piten wir in aller undertheniger Demuet, diss unser Anbringen gnediglich zuvernemmen. Gnedige Fürstin und Fraw. Nachdem der Almechtig Gott auff Montag den Ailfften Septembris nechst verschinen nach seinem gnedigen willen und gefallen unsern freundtlichen geliebten herrn hausswurt, Vatter und Schwehern seligen auss disem Jamerthal zu seinen Göttlichen gnaden abgefordert, welchen der herr Christus am jungsten tag zum ewigen leben erweckhen welle, hatt Er uns sein Wittib und dreytzehen khinder (darunder wir die drew Eltisten von seiner Ersten hausfrawen seligen heerkhommen) hinder jm verlassen. Was nun solcher sein tödtlicher abgang uns auss vilen ursachen, sonderlich mir der Wittiben jetziger schwerer zeit und mit so vil unerzognen Kindern fur schmertzliche bekhumernus gebracht, und wie beschwerlich solches falle, zweifeln wir nit, E. F. G. als ain Christliche mitleidige verstsendige Fürstin khunden solches vernunfftiglich wol ermessen. In welcher vsetterlichen heimsuchung Gottes doch diser Trost zuschöpffen und zufassen (wie dann ermelter unser lieber hausswurt, Vater und Schwecher selig uns, fürnemlich mich sein haussfrawen bei seinen Lebzeiten vilfalltig dahin erinnert und also getröstet), der Almechtig werde seiner gnedigen zusagung nach unser getrewer Vatter sein, auch E. F. G. und dero geliepter Sone, unser gnediger furst und herr uns in gnaden nit verlassen, sonnder in unsern angelegenen sachen gnedig verhelffen, schutzen und schirmen. Darumben wir dann desto onerschrockhener in undertheniger demuetiger Hoffnung und vertrawen unser Anligen dissmals hiemit fürbringen. Und demnach vermüg obgedachts unsers lieben herrn hausswurts, Vatters und Schwehers seligen Bestallungbrief, so in dem vier und funffzigisten Jar auffgericht, uns seinen Erben die Besoldung nur ain Vierthljar nach seinem absterben zuraichen gnedig bewilligt und verschriben, darfür wir billich underthenig und demuettig danckhbar sein und hierinnen seinem exempel nachfolgen sollen. Dann Er seinem Testament und letsten willen ain sondere underthenige hohe danckhsagung für alle jme vom loblichen fürstlichen hauss Wurttemberg erzaigte gnaden und gutthaten einverleibt und angehengkht, inmassen E. F. G. ab beyligendem ausszug gnedig zu sehen haben. Jedoch weyl E. F. G. geliebter herr und Gemahel unser gnediger Furst und herr hochloblicher seliger gedsechtnus hernach, da Ir fürstlichen Gnaden im 56. Jar die Clöster christlich reformiren und Evangelische Kurchendiener zu Prselathen und Aebbten ordnen lassen, jr jedes Weib und Kindern einen gantzen Jargang der Pension hinnach zuraichen verwilligt und versichert, Welche gnad Ir F. G. jme unserm lieben herrn, Vatter und Schwecher seligen (weil dieselbig jme nit weniger als andern mit sondern gnaden genaigt gewesen), wa er darumben underthenig angelangt und gebetten, zweifelsone auch gnedig verwilliget, und darinnen ainich bedenckhens gehabt hette: So bitten E. F. G. demnach wir in aller Demuet gantz underthenig und fleissig, Sie welle alle gelegenheit gnedig erwegen und zu hertzen fueren, sonderlich seine langwürige getrewe eiferige und fleissige dienst, die er nit allein der Kurchen in disem Fürstenthumb sonder auch darvor und die Zeit er alhie gewesen, andern landen und Kurchen als ain diener und Werkhzeug Gottes nit one merckhlichen Nutz und Frucht zu seines Göttlichen namens ehre und vieler Leuth hayl und wolfhart mit predigen, schreiben, rathen und in andern weg gelaistet und bewisen. Daher dann auch vil Gottselige fromme herrschafften und under denselbigen E. F. Q. geliebter herr Vatter, weilund Marggrave Georg zu Brandenburg, zugleich hochgedachter E. F. G. geliebter herr und Gemachel, bede Christseliger loblicher gedechtnus, jne mit gnaden gemaint und lieb gehabt. Neben solchem auch wolle E. F. G. die vile unerzogenen Kinder, jetzige beschwerliche langwurige tewre zeit und andere mehr umbstend, sonderlich auch . gnediglich betrachten, Obgleich er unser lieber hausswurt, Vatter und Schweher uns auss Göttlichem secgen ain zimliche ehrliche narung hinderlassen, das es doch zu so vil theilen schmale aigenthumb, wie man sagt, geben wurdt . Und derowegen auch wie andern ain gantzen volkhommen Jargang vom Stifft gnedig widerfahren lassen. Darzu wa es lenger nit statt haben möchte, doch vollendz den Wintter biss Invocavit in der Probstey behausung zusitzen und wonen gnedig vergunnen. Damit wir also sein unsers lieben herrn und Vatters seligen gutthertziger getrewer dienste auch nach seinem tod gemessen. Wie uns nit zweifelt, E. F. G. als ain Christliche Furstin sich hierinnen gnedig und milt zuerzaigen genaigt sein werden. Das wellen umb dieselb, auch unsern gnedigen fursten und herrn, das gantz hauss Wurtemberg wir mit unserm eiferigen gebett gegen Gott, auch gehorsamen geflossenen dienen in aller underthenigkheit und Demuet gehorsamlich zuverdienen nimer mehr vergessen, Gnediger antwort und beschaidts gewarttend,

E. F. G. Underthenige Demuetige\\
katharina, weilund Johann Brentzen Probsts zu Stutgarten seligen Wittib, \\
khinder, son und Dochtersmenner.

Anecdota Brentiana Ungedruckte Briefe und Bedenken von Johannes Brenz. Gesammelt und herausgegeben von Dr. Th. Pressel, Archidiaconus in Tübingen. Tübingen, 1868. Verlag von J.J. Heckenhauer.