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Calvin, Jean – An Francois de Morel in Mont-Argis.

Calvin, Jean – An Francois de Morel in Mont-Argis.

Nr. 695 (C. R. – 3692)

De Morel war als Hofprediger der Herzogin von Ferrara auf ihrem Schloss zu Montargis; im Namen einer zu Gien versammelten Synode hatte er Calvin um ein Gutachten über einige Fragen ersucht.

Darf ein Pfarrer Kapitalist sein? Über weltliche und geistliche Gewalt.

Monsieur und lieber Bruder, ich hätte rascher auf die drei Fragen geantwortet, über die Sie mich um meine Meinung gefragt haben, wenn ich nicht einige Bedenken trüge, an eine kitzlige Sache zu rühren, wie die von Ihnen aufgeworfene ist, ob Pfarrer Geld auf Zinsen ausleihen dürfen. Diese Art des Leihens einfach zu verurteilen, wäre zu streng und müsste viel Widerspruch hervorrufen. Wirklich möchte ich auch nicht behaupten, es sei nicht erlaubt. Wenn ich aber andrerseits sehe, zu wie viel Verleumdung und Ärgernis es Anlass gibt, und wie viele von mäßigen Bedingungen weitergehen und sich gestatten, was nicht mehr erlaubt ist, so antwortete ich am liebsten gar nicht auf diese Frage. Am sichersten und besten ist es jedenfalls, sich auf solche Geschäfte und Verträge gar nicht einzulassen, und Jeremia versichert nicht ohne Grund, dass die Kämpfe, die er zu bestehen hatte, nicht daher kamen, dass er geliehen oder entlehnt habe [Jer. 15, 10]. Wenn also ein Pfarrer auf solchen Gewinn verzichtet, wird es das Beste sein. Da es aber doch noch eher zu ertragen ist, als wenn er Handel treibt oder sonst einen Beruf ausübt, der ihn von seinem Amte abzieht, so sehe ich nicht, warum man es überhaupt verurteilen sollte. Indessen möchte ich, dass dabei die Regel innegehalten würde, es nicht um eines bestimmten Gewinns willen zu tun. Sondern wenn der Pfarrer irgendeinem soliden Geschäftsmann Geld vorschießt, soll er sich damit begnügen, sich auf dessen Treue und Redlichkeit zu verlassen, so dass er einen entsprechenden Gewinnanteil erhielte, je nachdem Gott die Tätigkeit des Geschäftsmannes segnet.

Was den dem Konsistorium abzulegenden Eid betrifft, so ist es gut, dabei so vorzugehen, dass jedem Schmähen und Murren vorgebeugt wird. Man mag die Leute wohl vorladen und verteidigen, indem man ihnen Gott und sein Gericht vor Augen stellt, da er ja den Vorsitz führen soll in solcher Gesellschaft, aber man muss sich doch sorgfältig in acht nehmen, dass jede Förmlichkeit vermieden wird, die nach einer Huldigung aussieht oder sich ihr nur nähert.

Was den letzten Punkt betrifft, so, glaube ich, braucht man nicht den geringsten Anstoß daran zu nehmen, dass auch Richter und höhere Polizeibeamte in ein Konsistorium gewählt werden, wenn sie nämlich nicht als Amtspersonen gewählt sind; denn dieser Unterschied zwischen den beiden Ständen und Ämtern muss stets gewahrt bleiben. Leute, die zur weltlichen Regierung gehören, auszuschließen, so dass sie nicht auch Aufseher in der geistlichen Gewalt sein dürften, schiene mir gegen alle Vernunft zu sein. Die Hauptsache ist, dass, wenn sie als tauglich zu solchem Amte gewählt werden, sie nicht die Gewalt des weltlichen Schwertes in Dinge mischen, die davon wohl zu unterscheiden sind.

Das ist in der Hauptsache, was mir Gott gegeben hat als Antwort auf die drei Fragen, und unsere Brüder stimmen damit überein. Denn ich wollte auch ihre Meinung einholen, damit die Entscheidung nicht von mir allein käme. Damit usw.

10. Januar 1562.

Calvin, Jean – An Francois de Morel in Paris.

Calvin, Jean – An Francois de Morel in Paris.

Nr. 600 (C. R. – 3056)

De Morel, der frühere Hofprediger der Herzogin von Ferrara (vgl. 416, 499) war an Macards Stelle in Paris; er hatte berichtet, dass eine Synode der evangelischen Pfarrer Frankreichs sich in Paris versammeln und ein Bekenntnis herausgeben wolle. Die Evangelischen von Tours hatten durch Straßenpredigt und allzu öffentliches Bekenntnisablegen eine heftige Verfolgung wachgerufen. Mit den neuen Pfarrern Arnaud und Gilbert reiste auch des Gallars nach Paris, da an diesem gefährlichsten Posten die Pfarrer oft gewechselt werden mussten.

Zur ersten Synode in Paris; Empfehlung neuer Pfarrer.

Wären wir doch von Eurer bevorstehenden Synode früher benachrichtigt worden, so wäre uns zur Abhilfe gegen unsere Bekenntnislosigkeit vielleicht ein nicht zu verachtender Rat eingefallen. Weil aber die Tagung nun so nahe bevorsteht, dass kaum zu hoffen ist, auch der rascheste Eilbote könne unsere Briefe noch rechtzeitig dazu bringen, so bitten wir Gott, er wolle zur Leitung Eurer Geister seinen Geist spürbar den Vorsitz in der ganzen Verhandlung führen lassen. Wenn einige von Euch so hartnäckig darauf bestehen, man müsse ein Bekenntnis veröffentlichen, so bezeugen wir vor Engeln und Menschen, dass uns dieser Eifer zurzeit noch missfällt. Die Tollkühnheit der Evangelischen von Tours, die so unglücklich das Signal zum Kampf gaben, mag ihnen eine Warnung sein, nicht allzu weit zu gehen. Dass man bei Euch gar so ängstlich ist, tut mir auch wieder sehr leid, und umso mehr müsst Ihr die Aufgabe erfüllen, zu der uns der Prophet ermahnt: Stärket die müden Hände und erquicket die strauchelnden Knie [Jes. 35, 3]. Wenn Eure Versammlungen so schwach besucht sind, ja ganz daniederliegen, so fürchte ich, es sei nutzlos, dass wir Euch neue Hilfskräfte senden.

Über Voisin haben wir allerdings unsern Plan geändert, Arnaud tritt an seine Stelle, der auch in feinerer Wissenschaft recht gebildet ist. Fehlt Pierre Gilbert auch diese Bildung, so tritt doch bei ihm eine ungewöhnlich gründliche theologische Kenntnis an ihre Stelle; dazu kommt bei ihm Scharfblick und gutes Urteil. Beide sind sehr beherzt und brennen vor Eifer, die Kirche zu erbauen. Sobald sie bei dir ihre Aufgaben kennen gelernt und sozusagen ihre Lehrzeit absolviert haben, so gib mir vertraulich Bericht, ob du nach Genf zurückkehren oder noch länger bleiben willst; du siehst an Ort und Stelle besser, was gut ist. Nur mache mir davon Mitteilung, damit ich für dich persönlich sorgen kann und auch der staatlichen Obrigkeit der ihr dabei zukommende Rang gewahrt wird. Dasselbe wird dir auch des Gallars sagen, dessen Abwesenheit, so angenehm dir sein Kommen sein wird, unserm Kollegium zurzeit recht schwer fällt und den Brüdern manche Unannehmlichkeit bringt. Denn ich kann auch kaum dem kleinsten Teil meiner Amtspflichten nachkommen, und es ist wenig Hoffnung, dass es später besser wird. Dass du mir so klar und ausführlich und doch zugleich so kurz von so manchen Dingen schreibst, dafür danke ich dir; meine Schmerzen im Kreuz hindern mich, dir gegenüber ein Gleiches zu tun; auch wird’s angenehmer sein, dir von unsern Verhältnissen mündlich zu erzählen. Lebwohl, bester Bruder, trefflicher, treuer Knecht Christi. Den Kollegen viele Grüße. Der Herr leite und behüte, stärke und segne Euch alle.

17. Mai 1559.