Durchsuchen nach
Schlagwort: Coxe Richard

Calvin, Jean – An Richard Coxe in Frankfurt.

Calvin, Jean – An Richard Coxe in Frankfurt.

Vgl. 434. Richard Coxe war der Führer der anglikanischen Partei, vor der Knox aus Frankfurt hatte weichen müssen, da er beim Rat heimlich wegen Beleidigung der kaiserlichen Majestät denunziert worden war; dies hatte Coxe bei Calvin zu entschuldigen versucht; ein Brief an Thomas Sampson ist nicht erhalten.

Mahnung zu völliger Aussöhnung unter den englischen Refugianten.

Euern Brief, treffliche Männer und verehrte Brüder, beantworte ich vielleicht später, als Ihr meintet und hofftet. Da Ihr aber wisst, dass die Wege eine Zeitlang von Räubern besetzt waren und deshalb fast keine Boten von hier zu Euch reisten, so wird’s mir leicht sein, diese Versäumnis bei Euch zu entschuldigen. Über die Streitigkeit, die unglücklicher Weise unter Euch ausgebrochen ist, habe ich unserm lieben Bruder Thomas Sampson freimütig dargelegt, was ich aus den Briefen einiger Leute erfahren hatte. Es hatten sich nämlich einige Freunde bei mir beklagt, Ihr dränget so auf die anglikanischen Zeremonien, dass deutlich daraus hervorgehe, wie Ihr Euerm Vaterland mehr anhinget als recht sei. Freilich hörte ich, Ihr brächtet Gründe vor, warum Ihr nicht von der übernommenen Form weichen könntet, aber die waren leicht und schnell zu widerlegen. Wie ich nun die, die anderer Meinung waren als Ihr, ermahnt habe, mit größtmöglicher Mäßigung nachzugeben, so missfiel es mir, dass Eure Partei ihrerseits nichts zugeben und ablassen wollte. Weil mir aber kein Name genannt worden war, so wagte ich nicht, mich ins Mittel zu legen, damit mein vertrauensvolles Vorgehen nicht angesehen werde als tadelnswerte, unverschämte Einmischung. Jetzt aber freut es mich sehr, dass auch Ihr Euch in diesem Zwist freundlicher und nachgiebiger gezeigt habt und der ganze Handel im Frieden beigelegt worden ist. Dass Leuchter, Kruzifixe und derartige Kleinigkeiten noch aus dem römischen Aberglauben stammen, wird meines Erachtens gewiss kein vernünftiger Mensch leugnen. Deshalb finde ich, wer sie aus freier Wahl beibehält, schöpft allzu gern aus dem Bodensatz, und ich sehe nicht ein, wozu es dienen soll, der Kirche abgeschmackte, unnütze Zeremonien – um sie nicht eigentlich schädlich zu nennen – aufzuladen, wo wir Freiheit haben zu einer reineren, schlichteren Gestaltung des Gottesdienstes. Aber ich will an mich halten, um nicht den Schein zu wecken, ich wolle in einer, wie ich von Euch höre, geregelten Sache neuen Streit anfangen. Das jedoch kann ich nicht verschweigen, dass man meines Erachtens weder fromm noch brüderlich an Knox gehandelt hat, wenn er durch heimliches Betreiben einiger Leute denunziert worden ist. Denn da wäre es ja besser gewesen, im Vaterland zu bleiben, als die Flamme des ungerechten Hasses in fremde Länder zu tragen, die auch die erfasst, die gar nicht wollen. Da ich übrigens die Fehler, die ich am liebsten in ewiger Vergessenheit begraben wissen möchte, auch nicht einmal oberflächlich berühren mag, so will ich Euch nur ermahnen, verehrte Brüder, dass Ihr Euch müht, die Beleidigungen wieder gut zu machen, wenn Ihr merkt, dass einzelne sich mit Recht verletzt fühlen. Als ich hörte, ein Teil Eurer Gemeinde wolle hierher nach Genf ziehen, habe ich, wie es sich ziemte, fleißig gemahnt, wenn es nicht allen passe, am gleichen Orte zu wohnen, so solle doch die örtliche Trennung nicht die brüderliche Eintracht zerreißen. Denn ich fürchtete, es könnte aus dem früheren Streit eine geheime Spannung zurückbleiben, und nichts war mir lieber, als von dieser Furcht befreit zu werden. Denn wollten etwa einige zu uns kommen, so würde mich schon der Argwohn eines geheimen Zwiespalts unter Euch traurig stimmen. So wünsche ich sehr, dass, was Ihr von der stattgefundenen Versöhnung schriebt, festen Bestand habe, damit, falls ein Teil von Euch anderswohin zieht, Ihr doch trotz der räumlichen Trennung heilige Freundschaft haltet. Denn es ist schon genug gesündigt worden, als dass die Zwietracht nun noch länger sich hinschleppen dürfte. An Eurer Klugheit und Gerechtigkeit ists nun, sie durch Wohlwollen festzuhalten, indem Ihr alles, was noch von Entfremdung vorhanden ist, sorgfältig ausfegt. Nun lebt wohl, verehrte Brüder. Der Herr halte Euch in seiner Hut, er leite Euch mit seinem Geiste, begleite Euch mit seinem Segen und mache Euch Eure Verbannung leicht. Meine Kollegen lassen Euch freundlich grüßen.

Genf, 31. Mai 1555.