Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (677)

Calvin, Jean – An Beza in St. Germain (677)

Nr. 677 (C. R. – 3507)

Pierre Davantes von Languedoc lebte als Philolog, Musiker und Komponist in Genf; Baduel (vgl. 639) war Professor der Philosophie an der Akademie; Nicolas du Feu (Igneus) ist unbekannt. Kardinal Ippolito d´ Este, der Schwager der Herzogin von Ferrara, war damals päpstlicher Legat in Frankreich; wohl auf der Durchreise von Italien nach Frankreich hatte ihn Calvin in Genf kennen gelernt. Am 22. August war Beza in St. Germain angekommen und schon am 23. abends vom König von Navarra dem Hof vorgestellt worden; dabei hatte er sich mit dem Kardinal de Guise über die Abendmahlsfrage auseinandergesetzt, wobei der Kardinal mit einem freundlichen Worte schloss. Am folgenden Abend hielt Beza bei den hugenottischen Herrschaften eine Andacht.

Todes- und Geburtsanzeigen. Von der Freundschaft mit Kardinälen.

Damit mich nicht bloß der Tod eines Mannes in Trauer versetze, musste meinem lieben Varennes zwei Tage darauf Davantes im Tode folgen. Auch für Baduels Leben haben wir keine Hoffnung mehr. Gestern ist auch die Frau unseres Stadtseckelmeisters plötzlich an einem Nervenkrampf gestorben, nach einer, wie man glaubte, gut verlaufenen Geburt. Um noch mehr Todesfälle zu berichten: auch Nicolas de Feu ist innerhalb neun Stunden von einer Erkältung hingerafft worden. Einigermaßen tröstlich ist es, dass Berauld sich allmählich erholt, und auch seine Frau nach einer Entbindung; beinahe wäre sie an der Frühgeburt gestorben, jetzt aber kommt sie doch wieder zu Kräften und auch das Kind ist gesund. Besorgt so schnell wie möglich, dass einer unsrer beiden Kollegen zurückkomme, worum ich ja neulich schon bat. Wäre es des Gallars möglich ohne Schaden für seine Gemeinde, so möchten wir ihn wieder hier haben. Da die Sache aber noch unsicher ist, so wollen wir nichts darüber sagen; die Zeit wird zeigen, war recht und gut ist. Damit dich übrigens deine Freundschaft mit dem Kardinal von Lothringen nicht gar zu eitel macht, so will ich dich gleich daran erinnern, dass auch ich ein Bruder des Kardinal-Legaten von Ferrara bin; denn als er mich hier vor dreizehn Jahren begrüßte, versprach er mir, er wolle stets mein guter Bruder sein. Hüte dich also, mir gegenüber hochmütig zu tun; ich könnte dir sonst mit Gleichem vergelten, besonders da ein Legat alle Kardinäle weit übertrifft. Lebwohl, trefflicher Bruder. Der Herr sei mit dir; er leite und behüte dich und mache dich reich an seinen Gaben; er rüste dich aus zu allen Kämpfen und wappne dich mit Klugheit gegen alle Ränke, mit Stärke gegen alle Drohungen. Grüße bitte unsere Brüder vielmals. Die Brüder und Freunde lassen dich grüßen.

Gestern berichtete ich im Rat, was du von Eurer nächtlichen Unterhaltung mir geschrieben, und es wünschten mir alle Glück. Was Ihr am folgenden Tag, in Abwesenheit der lauernden Pfründenjäger, getan, haben wir erfahren; über die folgenden Tage erwarten wir Bericht. Nochmals lebwohl.

3. September 1561.

Dein

Carolus Passelius.

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