Calvin, Jean – An Sulzer in Basel.

Calvin, Jean – An Sulzer in Basel.

Nr. 646 (C. R. – 3291)

Weggelassen einige unwichtige Bemerkungen über einen Verstorbenen. König Franz II. von Frankreich starb am 5. Dezember 1560 plötzlich an einem Geschwür am Ohr, das ins Hirn drang. Da sein Bruder Karl IX. erst zehnjährig war, wurde nun eine wirkliche Vormundschaft nötig.

Conde gefangen. Der Tod des Königs Franz II.

– – Von den französischen Verhältnissen habe ich nur soviel zu schreiben. Der König von Navarra, der zuerst die beste Hoffnung auf hochgemute Festigkeit gegeben hatte, änderte plötzlich seinen Plan und zog zu Hofe, wo sofort nach der Ankunft sein Bruder verhaftet wurde. Der König hatte stets meine und Bezas Ratschläge gebilligt, die sicher gut waren und nicht weniger ehrenhaft als zuträglich für seinen persönlichen Nutzen und das Wohl der ganzen Kirche. Denn wir wollten immer sowohl für seine Machtstellung sorgen, als auch verhüten, dass nur ein Tropfen Blut fließen musste, und die Verhältnisse waren so, dass er ohne jegliche gewaltsame Erhebung seine Gegner hätte überwinden können. Da er aber nachgiebigen, kleinmütigen Charakters ist, so ließ er sich teils durch trügerische Versprechungen täuschen, teils machte er sich auch selbst Einbildungen, weil er für unmöglich hielt, was alle voraussahen, nämlich dass die Guisen es wagen würden, Hand an seinen Bruder zu legen. Dass sie nun aber kühn so weit gehen konnten, hat ihre Frechheit noch gesteigert. Es lässt sich kaum sagen, wie gewalttätig sie im Herzen von Frankreich hausen. Als nun fast alles vor diesem Ansturm des Fanatismus erschrocken war und die Mehrheit ganz mutlos daniederlag, da hat Gottes Hand sich aufs Neue wider alle Hoffnung plötzlich gezeigt. Denn der Tod des jungen Königs, von dem Ihr jedenfalls auch schon gerüchtweise gehört habt, muss notwendig einen Umschwung aller Verhältnisse mit sich bringen. Lebwohl, trefflicher Mann und verehrter Bruder. Der Herr sei stets mit dir; er leite und behüte dich und mache dich von Tag zu Tag reicher an seinen Gaben. Meine Kollegen, vor allem Viret und Beza, lassen dich grüßen. Grüße auch die Deinen, bitte, vielmals von mir.

[11. Dezember 1560.]

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