Johannes Sturm an Philipp Melanchthon

Johannes Sturm an Philipp Melanchthon

Straßburg, den 2.9.1555

Heinrich Bullinger1), Ueberbringer dieses Briefs, ist mir so angelegentlich durch seinen Vater, besonders aber auch durch sich selbst, seine eigene Rechtschaffenheit, Fleiß und Sparsamkeit empfohlen, daß ich ihn der Freundschaft und Liebe jedes Rechtschaffenen empfehlen darf. Gerade so urtheilen auch alle meine Collegen von ihm. Jede Gutthat, jede Liebe, jeder thätliche Freundschaftsbeweis, der ihm erwiesen wird, wird ihnen, so wie mir, sehr angenehm sein. Dafür bitten wir Jeden, aber besonders Euch, gelehrtester Herr Philipp, dessen Wohlwollen wir so zu schätzen wissen, wie die Geneigtheit von Regenten und die Gunst der Fürsten. Auf die Erfüllung unsrer Bitte macht schon der Fleiß des Sohnes Anspruch, wenn auch nicht der liebende Vater sie forderte. Wir können Euch also die größte Hoffnung machen von der Treue, Fleiß, Frömmigkeit und Güt des Sohnes.

Johannes Sturm

1) gemeint ist der Sohn

Merkwürdige Züge
aus dem Leben des Zürcherischen Antistes
Heinrich Bullinger
Joh. Friedr. Franz
Bern, bei J. J. Bugdorfer
1828

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