Calvin, Jean – An Adolf von Glauburg in Frankfurt a. M.

Calvin, Jean – An Adolf von Glauburg in Frankfurt a. M.

Valerand Poulain (vgl. 412) war Pfarrer der französischen Gemeinde in Frankfurt, als deren Protektoren gegenüber den lutherischen Pfarrern Adolf von Glauburg und sein Oheim Johann wirkten; da Adolf von Glauburg schon am 26. September 1555 am Schlag starb, hat ihn wohl dieser Brief nicht mehr erreicht.

Empfehlung eines Buches.

Von Valerand Poulain, der mir die Zustände Eurer Stadt schilderte und auch von deiner Zuneigung zu mir sprach, erlauchtester Mann, bin ich schon lange dazu aufgefordert worden, dir dafür zu danken, auch weil er bei dir und deinem Oheim zur Gründung einer Gemeinde französischer Zunge am meisten Hilfe gefunden habe. Seither glaubte ich, nicht nur um den Wunsch meines Kollegen zu erfüllen, sondern weil ich selbst es für meine Pflicht hielt, dir ein Zeichen meiner Dankbarkeit geben zu müssen. Weil er mich aber zugleich bat, auch Euerm hochweisen Rat gegenüber diese Pflicht zu erfüllen, hielt ich es für besser, zu warten, bis sich dazu ein günstiger Anlass dazu böte. Nun ist unterdessen Herr de Sechelles hierher gekommen, einer meiner besten Freunde, nicht nur weil er mein Landsmann ist, sondern vor allem, weil er durch die Geradheit und Lauterkeit seines Charakters mit Recht jeden guten Menschen für sich einnimmt. Als auch er mir mündlich deine Tüchtigkeit pries und sich geradezu dafür verbürgte, es werde nicht unangenehm empfunden werden, wenn ich eines meiner Werke mit einer Widmung an den Rat von Frankfurt erscheinen lasse, so beschloss ich auf sein Zureden hin, meine Zusammenstellung der drei ersten Evangelien, die damals gerade unter der Presse war, unbedenklich Euch zu widmen. Zwar brauchte es nicht viel Mühe, mich dazu zu bewegen, wonach mein Sinn von selbst stand, aber durch seine Worte nahm das Vertrauen und die Freudigkeit, mit denen ichs tat, nicht wenig zu, besonders da er mir verhieß, deine Gunst und Fürsprache werde mir gewiss nicht fehlen, wenn ich mein Geschenk überreiche. War nun freilich eigentlich kein Grund, dass jemand dich beneiden könnte, wenn ich dich und deinen Oheim mit großem Lobe preise, wie es schon der Adel Eures Hauses verdient, und wie es noch mehr deine Ehrenstellung, deine Bildung und all deine andern hohen Vorzüge mit Recht beanspruchen durften, so habe ich es doch absichtlich unterlassen, Euch persönlich in der Widmung zu nennen, damit nicht doch jemand boshaft sagen könnte, das Buch sei eigentlich mehr einem oder zweien gewidmet als öffentlich Eurer ganzen Körperschaft. Es ist ja gut, dass dein Ansehen in Eurem Rate so hervorragend groß ist, wie du selbst an Klugheit, Menschenfreundlichkeit und aller Tugend groß erscheinst, so dass du nicht zu fürchten hast, es gehe dir durch die Ehrung, die allen gilt, etwas ab. Darum aber möchte ich dich bitten, dass du mein Buch, da ich der Mehrzahl unbekannt bin, deiner Fürsprache würdigst. Wenn ich darin mich an deine Freundlichkeit wende, so sollst du doch ganz nach deinem Gutdünken beurteilen und schätzen, wie viel Empfehlung mein Buch verdient. Lebwohl, trefflichster, hochverehrter Mann. Der Herr leite dich auch fernerhin mit seinem Geiste, rüste dich aus mit seiner Kraft und schenke dir und deinem Hause reichen Segen.

Genf, [August 1555].

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