Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (421).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (421).

Vgl. 418. Die Herzogin Renata von Ferrara (vgl. 372) wurde wegen ihres evangelischen Glaubens in Klosterhaft behalten und schwor, eingeschüchtert durch die Ankunft des Großinquisitors Orry, ihre Überzeugung ab.

Über die Zustimmung der Schweizer Theologen zur Schrift gegen Westphal.

Ich freue mich sehr, dass dir die Verteidigung unseres Consensus so gefällt. Wenn nur die Zürcher ebenso urteilen! Übrigens, da ich sehe, wie mild sie geworden sind, habe ich die fast sichere Hoffnung, dass sie mit ihrer Unterschrift nicht zögern, noch sonst Schwierigkeiten machen. Den Bernern traue ich nicht, ob sie nicht wieder wie gewöhnlich die Ausrede haben, der Rat erlaube ihnen die Unterschrift nicht. Aber nicht allein ihre schwächliche Nachgiebigkeit hindert sie, sondern vor allem der Umstand, dass sie lieber in der Stille eine unklare Spannung erhalten wollen, als dass man sich untereinander offen seine Ansichten mitteilt. Haben wir aber, wie ich hoffe, die Zürcher gewonnen, so muss man dann eben die Berner selbst mit einiger Zudringlichkeit nötigen, auch beizutreten. Es ist dann auch deine Pflicht, bei Bullinger dahin zu wirken, dass er es ihnen abnötigt. Dass der gute Blaurer auf unserer Seite steht, bezweifle ich nicht. Nicht nur wird er wegen seiner Frömmigkeit und Reinheit der Lehre unterschreiben, sondern in seiner außerordentlichen Freundlichkeit und seiner maßlosen Liebe zu mir wird er sogar, wie du, meine dürftige Schrift reichlich mit Lob bedenken. Die Basler wird nichts anderes aufhalten als Sulzers nachgiebige Art, die alles erweichen und abschleifen möchte. Doch Gott wird das alles lenken. Ich weiß nicht, habe ich dir schon geschrieben, von welch abscheulichen Gerüchten unsere ganze Nachbarschaft durchschwirrt ist, dass ich als Ketzer verdammt werde, und dass wir Jean Fabri gesandt haben, um uns beim Berner Rat ernstlich zu beklagen, und dass der Rat wenigstens versprochen hat, er wolle sich die Sache angelegen sein lassen? Doch ist noch keine Antwort erfolgt. Von der Herzogin von Ferrara ist traurige Botschaft gekommen, und gewissere, als ich wollte, nämlich, dass sie, von Drohungen und Vorwürfen besiegt, abgefallen ist. Was soll ich sagen, als dass von den Vornehmen das Beispiel der Standhaftigkeit selten gegeben wird. Der Bruder unseres lieben Bude, der Kammerherr des Königs war, ist endlich auch hierher gekommen. Obwohl er kränklich ist, will er dich doch bald besuchen. Unterdessen lässt er dich samt den übrigen Freunden herzlich grüßen. Über die Händel in der [französischen] Gemeinde in Straßburg sind wir natürlich in Sorge. Etwas zu tun wäre aber nicht nur unnütz, sondern auch schädlich. So bleibe ich ruhig. Der Kollege hat für die neue Ausgabe des Katechismus den Namen der Brüder nicht vorgeschützt; bloß rühmt er, wie groß das Bedürfnis danach sei. Von unserer hiesigen Lage will ich dir dann durch ihn einen Brief zukommen lassen. Wenn man den Feinden nicht entgegentritt, so sehe ich voraus, dass sie irgendetwas anstellen werden. Die Obrigkeit lässt sich aus ihrer Trägheit nicht aufrütteln. Lebwohl, bester Bruder. Der Herr sei stets mit dir, er unterstütze dich mit seiner Stärke und leite dich mit seinem Geiste.

Genf, 1. November 1554.
Dein
Johannes Calvin.

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