Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (416).

Calvin, Jean – An Bullinger in Zürich (416).

Francois de Morel, genannt de Colongues, war der geistliche Berater der Herzogin Renata von Ferrara. Über die Verteidigung des Consensus Tigurinus gegen Westphal vgl. 407. In Genf machte die Bannfrage, Bertheliers wegen, Rat und Pfarrern wieder zu schaffen. Von Bolsec aufgestachelt fochten besonders die Pfarrer Zebedee in Nyon und Lange in Bursin Calvin wegen der Prädestinationslehre an. Über Charles du Moulin vgl. 405. An der Tagsatzung in Baden wurde damals über das Schicksal der evangelischen Gemeinde in Locarno beraten.

Feindschaft in und außerhalb Genfs.

Da mir vorgestern von unserm lieben de Morel dein Brief gebracht wurde, kam mir dieser Bote gerade geschickt, um dir zu berichten, wie willkommen mir dein Brief war. Doch hinderte mich mein schlimmer Gesundheitszustand, der mich heute früh im Bette festhielt, dir zu antworten, wie ich vorhatte. Obwohl ich mich nun bei dem Boten schon entschuldigt habe, will ich doch lieber ein paar Worte plaudernd hinschreiben, als ihn ganz leer entlassen. Bald kann ich dir die Verteidigung unseres Consensus senden. Aber ich will dirs jetzt schon verkünden, sie wird weder fein ausgearbeitet noch als Frucht großer Mühe geschrieben sein, damit du dir nichts Herrliches darunter vorstellst.

Von dem Stand unserer Verhältnisse will ich nichts schreiben, da wir noch ganz im Ungewissen sind; nur können die Bösen durch die Trägheit unserer Obrigkeit ganz frech und straflos ihr Spiel treiben. Unterdessen werde ich von unsern Nachbarn mehr als fürchterlich drangenommen. Denn die Prädikanten im Bernbiet verkünden von der Kanzel, ich sei ein Ketzer, schlimmer als alle Papisten. Je frecher einer gegen mich tobt, umso mehr Gunst und Schutz erwirbt er sich. Weil ich zur Genüge erfahren habe, dass von unsern Brüdern [in Bern] nichts zu hoffen ist, die ein solches Unrecht doch aufbringen müsste, so bleibe ich ruhig, still und stumm. An mir wird’s nicht liegen, wenn nicht die Bösen volle Befriedigung finden, und selbst die Neider genug bekommen. Indessen der Herr wird vom Himmel her drein sehen und mich rächen. Lebwohl, hochgeachteter Mann und von Herzen verehrter Bruder. Grüße Herrn Pellikan, Herrn Gwalther und Zwingli, deine Schwiegersöhne, deine Frau und dein ganzes Haus von mir. Der Herr behüte Euch alle, leite Euch mit seinem Geiste und beschere Euch Segen aller Art. Herrn Charles du Moulin antwortete ich jetzt nicht, da ich ihm eben kürzlich geschrieben habe. Ich fürchte sehr, er schadet der guten Sache, die er verteidigen will, durch seinen Eigensinn. Den Ausgang der Tagsatzung zu Baden erwarte ich mit vielen guten Leuten in großer Spannung. Nochmals lebwohl. Meine Kollegen und mehrere Freunde lassen dich ehrerbietig grüßen.

Genf, 18. September 1554.
Dein
Johannes Calvin.

Kommentare sind geschlossen.