Calvin, Jean – An eine Hugenotten-Gruppe in Frankreich.

Calvin, Jean – An eine Hugenotten-Gruppe in Frankreich.

Weggelassen sind die einleitenden Mahnungen zu treuem Festhalten; die uns unbekannte Hugenottengruppe hatte Calvin brieflich angefragt, wie sie es mit den Sakramenten halten solle.

Ratschläge über den Gebrauch der Sakramente.

– – – Was nun den Gebrauch der Sakramente angeht, so sollt Ihr darin so vorgehen, dass Ihr nur tauft auf sicherer Grundlage. Wenn Ihr versammelt seid, so kann jeder vorbringen, was ihm Gott gegeben hat, und jeder soll dem andern mitteilen nach dem, was er empfangen hat. Die aber, die noch nicht so weit fortgeschritten sind, sollen in Demut und Bescheidenheit hinnehmen, was vorgebracht wird. Aber etwas anderes ist das Lehren als die Sakramentsverwaltung. Denn um einen zu haben, der Euch das heilige Abendmahl unseres Herrn Jesu Christi austeilt, muss der in erster Linie von Euch einstimmig als Pfarrer erlesen und gewählt sein. Und dazu ist notwendig, dass Ihr eine organisierte Kirchgemeinde habt, d. h. dass Ihr entschlossen seid, fortzufahren mit Euren regelmäßigen Versammlungen, wie Ihr begonnen habt. Nicht, dass wir ein öffentliches Bekenntnis forderten; denn wir wissen wohl, in wie harter Knechtschaft Ihr gehalten werdet, und so ist es ganz genug, wenn sich die kleine Herde heimlich versammelt. Aber immerhin ist soviel notwendig, dass Ihr den einmütigen Beschluss fasst, fortzufahren sowohl im gemeinsamen Gebet wie in der Predigt des Wortes, wenn Ihr eine eigentliche Kirche haben wollt. Unter dieser Voraussetzung wird es, wenn sich ein geeigneter Mann unter Euch findet zur Berufung ins Pfarramt, diesem erlaubt sein, Euch als Sakramentsverwalter zu dienen. Aber achtet darauf, dass die, die sich so gesondert versammeln, um die Sakramente in der von Gott befohlenen Reinheit zu empfangen, sich nicht wieder mit papistischem Aberglauben vermengen, sondern dass Ihr dann wirklich getrennt seid von allem, was unserm Herrn Jesus zuwider ist. Ja, erinnert Euch daran, dass wir nicht scheiden dürfen, was Gott verbunden hat, und dass deshalb mit dem Genuss des Abendmahls auch die Taufe erforderlich ist. Denn, wenn Ihr miteinander Abendmahl gefeiert habt am Tische unseres Herrn Jesus und dann doch Eure Kinder bei den Priestern zur Taufe tragt, so ist das eine unerträgliche Befleckung. Wir sagen das nicht, um Euch im Guten aufzuhalten, denn es ist unser Wunsch, dass Ihr wie wir die Hilfsmittel genießen könnt, die uns Gott zur Stärkung des Glaubens verordnet hat; aber es ist Euch besser, Euch noch für kurze Zeit dessen, was gut und nützlich ist, zu enthalten, als heilige Dinge durch Leichtsinn zu entweihen. Seht Ihr also, dass Ihr jetzt noch nicht haben könnt, was für den Gebrauch der Sakramente erforderlich ist, so fleht und bittet zu Gott, dass er Euch vorwärts bringe und Euern Mängeln abhelfe, damit Ihr nicht für immer der Güter beraubt seid, die er seinen Kindern gegeben hat, und bemüht Euch eher, die Übelstände zu bessern, die Euch darin hindern, als Euch in Eurer Schwachheit damit zu erhalten.

Da ich nicht viel Muße hatte, müsst Ihr die Kürze meines Briefes entschuldigen. Die Brüder lassen Euch grüßen; nur verstehe ich nicht, wer der Magister Richard sein soll, von dem Ihr schreibt, denn wir haben keinen dieses Namens in unserm Kollegium. Zum Schluss bitten wir Gott, er möge seine Gnade an Euch mehren, Euch leiten durch seinen Geist in aller Klugheit und Kraft, damit Ihr seiner Ehre dienet, und Euch in seiner heiligen Hut halten, bis er uns alle zu seinem ewigen Erbe sammeln wird, das uns erworben ist durch seinen eingebornen Sohn.

Genf, 19. Juni 1554.

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