Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (315).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (315).

 

Calvin hatte für eine Synode in Neuchatel Gutachten über Fragen des kirchlichen und sittlichen Lebens aufgestellt. Der Name des Pfarrers von Concise ist unbekannt. Robert Louat, früher Domherr in Frankreich, war jetzt Pfarrer in Orbe. Nur die Nachschrift ist von Calvin selbst geschrieben.

Von der Versetzung eines unbeliebten Pfarrers.

Ich habe hier kurz den Wortlaut der Antwort diktiert, die dem Landvogt und Eurem Rat zu überreichen ist. Wenn ich die einzelnen Punkte zu ungenau gefasst habe, so schreibe es nicht etwa meiner Nachlässigkeit zu, sondern dem Kopfweh, das mich gestern nach dem Mittagessen beim Reiten befiel, mich diese Nacht unmenschlich quälte, jetzt zwar etwas besser ist, aber doch noch nicht aufgehört hat, mich zu belästigen.

Dem Pfarrer von Concise habe ich zugesprochen. Wie er nur allzu leicht den Plan gefasst hatte, anderswohin zu ziehen, so machte er auch keine große Schwierigkeit, seine Meinung wieder zu ändern. Die reichlich strömenden Tränen und die Stimme, die ihm im Halse stecken blieb, zeigten, dass der gute Mann ein kläglich ängstliches Gemüt hat, zuletzt bot er aber doch die Hand. Er muss also mild behandelt werden, wenn er sich nun von guten Ratschlägen leiten lässt. Eins ist meinem Gedächtnis entfallen, als ich in Neuchatel war, mit dir über die Gemeinde Orbe zu reden. Da unser Robert dort so sehr unbeliebt ist, so bin ich mit Viret einverstanden, dass er versetzt wird. Nur muss für eine ehrenvolle Entlassung gesorgt werden. Dazu erscheint mir nichts besser, als dass er nach Neuchatel berufen wird, unter dem Vorwand, dass hier sein Alter ruhiger und freier von Kämpfen sein werde. Kommt sein Neffe Sorel an seine Stelle, so wird er weniger ungern weichen, weil er sein zweites Ich zurücklässt. Lebwohl, bester, trefflichster Bruder. Vom Bett aus [diktiert]. Grüße die Brüder angelegentlich von mir. Der Herr sei mit Euch.

Ich wusste bis zu meiner Abreise nicht, dass du in der Herberge meine Zeche gezahlt hattest. Was hats mir nur genützt, vor dir mit meinem Reichtum zu prahlen? Ich werde für diesen Streich aber bald mich wenigstens teilweise rächen.

[März 1551].
Ganz dein
Johannes Calvin.

 

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