Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (307).

Calvin, Jean – An Viret in Lausanne (307).

Vgl. 306. Jacques Valier war Virets Kollege.

Gegen das Kreuzküssen.

Was soll man anders sagen, lieber Viret, als dass diese Leute [in Bern] vom Geiste Gottes verlassen und verrückt sind? Denn aus dieser Kleinigkeit, bei der sie ihre Dummheit verraten haben, kann man schließen, wie tapfer sie standhielten, wenns einmal zu einem ernstlichen Kampf käme. Jedenfalls hat sie das freche Geschimpf irgendeines beim Becher sitzenden Papisten so erschreckt, dass sie gleich diesen Versöhnungsversuch [des Kreuzküssens] ausgehen ließen. Ja, um den Papisten gefällig zu sein, dulden sie nicht nur eine zügellose Freiheit zum Schwören, sondern geben den Abergläubischen geradezu noch ein Signal dazu. Denn wie viele werden, um diese Strafe bekommen zu können, freiwillig und absichtlich sündigen! Man muss jedenfalls, ehe dieses Edikt erscheint, noch einmal nach Bern gehen, das ist meine Meinung. Wenn Euer Landvogt Euch dann, sobald er das Mandat erhält, zur Verkündigung nötigen will, so kann ihn Jacques, falls du abwesend bist, bitten, es bis zu deiner Rückkehr aufzuschieben. Denn wenn du nach Bern gehst und dort vertraulich mit den Freunden redest, erreichst du viel mehr, als wenn zehn Gesandtschaften geschickt würden. Freilich, wenn du sie nicht eifrig beim Heiligsten beschwörst, bringst auch du selbst nichts zustande. Indessen musst du wohl den Kunstgriff anwenden, dass du ganz frei und unbeanstandet lässest, was sie in der Stadt Bern für gut erachten, und nur zeigst, dass es in der welschen Vogtei nicht gehe. Denn ich hoffe, ihr Leichtsinn wird sie bald reuen. Jetzt wollen sie im ersten Eifer natürlich festhalten, was ihnen Unbedachtes entfahren ist. Also hüte dich, mehr zu fordern, als dass dieser Abschnitt in den französischen Edikten gestrichen wird. Dass über die Abschaffung der Feiertage in Genf gehässiges Geschwätz in Bern herum geboten wird, daran zweifle ich nicht. Ich sagte unserm lieben Beza neulich, als er uns besuchte, dass es ohne mein Wissen und ohne dass ich es wünschte, vom Volk beschlossen worden ist. Weil ich aber doch nicht vermeiden kann, dass man mich für den Urheber hält, warum soll ich denn nicht ungünstige Urteile ruhig verachten?

Den Brief an Haller schicke ich dir unversiegelt. Wenn du willst, so lass eine Kopie herstellen und zeige sie Farel auf der Rückreise. Lebwohl, bester Bruder. Deine Frau und deine Töchterlein grüße vielmals von mir. Es freut mich, dass in Eurem Haus jetzt alles so gut steht. Der Herr erhalte dich lange in diesem glücklichen Zustand und segne dein Wirken. Den Brüdern sage viele Grüße von mir. Meine Kollegen und viele Brüder wünschen dir Gesundheit.

Genf, 4. Januar 1551.
Dein
Johannes Calvin.

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