Calvin, Jean – An Francesco d´ Enzinas in Basel.

Calvin, Jean – An Francesco d´ Enzinas in Basel.

Über d´ Enzinas vgl. 199. Er war als Professor des Griechischen in Cambridge gewesen und wohl um seiner schwachen Gesundheit willen zurückgekehrt.

Mahnung zur Nutzung seiner Gaben.

Es freut mich, dass du wohlbehalten aus England zurückgekehrt bist. Wenn es dir hier wohl ist und gut geht, und der Herr segnet, was du tust, freut es mich doppelt. Freilich, wie jetzt überall die Verhältnisse liegen, müssen wir unsere Pilgerschaft in dieser Welt so führen, dass wir wünschen, sobald als möglich wegeilen zu dürfen. In England sind noch ungeordnete Zustände. An andern Orten scheint jetzt, was wohl eingerichtet war, auseinander fließen zu wollen. So finden wir nirgends etwas, was uns so freuen könnte, dass unser Herz sich nicht anderswohin sehnt; es sei denn, dass uns die Geduld festhält. Das erfahre auch ich, von dem du meinst, ich habe den Kampf fast hinter mir, täglich mehr und mehr. Denn unversehens regen mich neue Kämpfe, neue Schwierigkeiten, neue Unannehmlichkeiten so auf, dass ich alles andere lieber wollte, wenn ich die freie Wahl hätte, als stets unter so harter Last stöhnen. Dich hat der Herr mit Begabung und Wissen geziert und mit eifrigem, hochgemutem Geist ausgerüstet. Ihn muss man bitten, dass er so edle Gaben nicht müßig liegen lasse. Ich weiß zwar, dass du dich bisher gemüht hast, der Kirche Gottes Furcht zu schaffen und weiß, dass dein Versuch nicht umsonst war. Aber ich möchte, dass, was dir gegeben ist, noch weiter zur Geltung komme und baue darauf, dass es geschieht.

Meine Betrachtungen über Jesaja, von denen du schreibst, sie würden erwartet, werden bald erscheinen, aber in der Nachschrift von des Gallars. Denn mir bleibt nicht so viel Zeit zum Schreiben übrig. Er aber zeichnet es während meiner Vorlesung auf und verarbeitet es dann zu Hause; ich lese es nochmals durch, und wo er meinen Sinn nicht getroffen hat, verbessere ichs.

Unser Stadtseckelmeister wird hoffentlich in Basel sein, wenn du meinen Brief erhältst, und zwei Tage dort bleiben. Hast du etwas Neues zu berichten, so wird er es gerne mir bringen. Den Herrn Mykonius und Sulzer habe ich nichts zu schreiben, bis sie meinen letzten Brief beantwortet haben; doch grüße, bitte, sie und Herrn Oporin von mir. Meine Kollegen lassen dich vielmals grüßen. Deiner Frau, wo sie auch sei, wünsche ich alles Gute und Glückliche. Lebwohl, trefflicher Mann. Der Herr fahre fort, dich zu geleiten mit seinem Geiste und sei in allem mit dir.

Genf, 7. März 1550.

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