Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (251).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (251).

Die „die meinten, sie seien etwas“ sind Calvins Anhänger im Rat, der allmächtige Mann Perrin. In Straßburg wurden infolge des Interims die Kirchen unter Katholiken und Evangelische verteilt.

Schwache Freunde und mächtige Feinde.

Von unsern Verhältnissen habe ich kaum etwas zu berichten; es mir alles so dunkel, dass ich um den Ausgang recht in Sorge bin. Der Mut derer, die meinten, sie seien etwas, ist gebrochen. Sie glauben, sie könnten viel erreichen, wenn nur der Mann nicht so allmächtig wäre, der doch nur durch ihre Feigheit seine Macht hat. Täglich böten sich Gelegenheiten, ihn zu bezwingen; aber sie lassen alles so vorbeigehen, dass man meinen könnte, sie wollten sich freiwillig unter sein Joch stellen. Denn weil sie sich gegenseitig nicht trauen, ist jeder nur darum besorgt, dass er seine Stellung behält. Dabei ist kein freies Wort möglich. Uns ließe man ganz in Ruhe, wenn wir nichts sagen wollten. Aber wenn wir Dinge ansehen müssen, die, würden sie uns von Rom berichtet, uns durch ihre Schändlichkeit einen Schrei der Entrüstung auspressten, können wir da schweigen? Ich halte zwar nach deiner Mahnung an mich, im Bestreben, die Kirche überhaupt noch zu erhalten, damit ich nicht weitergehe, als gut ist. Kaum acht Tage vergehen ohne einen Zusammenstoß. Aber ich hoffe, der Herr stehe mir so bei, dass ich dir meine Mäßigung und Billigkeit, vielmehr meine Duldsamkeit beweisen kann. Ich selbst will alles vergessen und hinunterschlucken, nur den Lauf des Reiches Christi sollen die nicht aufhalten, von denen man hilfreiche Förderung ja nie verlangen kann. Freilich sind sie schon soweit gekommen, dass gar keine Hoffnung ist, sie möchten es bereuen.

Der Druck meines Büchleins [gegen das Interim] ist nun, da ich vielen doch Respekt eingeflößt habe, endlich erlaubt worden. Es wurde mir sogar das Manuskript wieder zugestellt, ich könne es nach meinem Gutdünken und Ermessen drucken lassen. Freilich, wenn ich bedenke, welche Angriffe unsere Brüder [in Deutschland] aushalten müssen, kommts mir fast vor, meine Kämpfe hier seien ein Spiel an schattigem Ort. Den Straßburgern blieb nichts anderes übrig, als ihren Bischof um ein Abkommen zu bitten. Der gute Toussaint [in Montbeliard] steht nach der Abreise des Fürsten noch fest mit seinen Amtsbrüdern, sie wollten ihren Posten nicht verlassen. Lebwohl, bester Bruder und Freund. Der Herr Jesus sei stets mit dir, halte dich aufrecht und segne deine Arbeit. Grüße unsere Brüder Christophe, Michel, Faton, Gaspard, sowie die andern und dein ganzes Haus angelegentlich. Meine Kollegen lassen grüßen, ebenso meine Frau, die sich Eurer Fürbitte empfiehlt.

Genf, 12. Dezember 1548.

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