Frecht, Martin – Vom letzten August 1548 aus Kirchheim.

Frecht, Martin – Vom letzten August 1548 aus Kirchheim.

Man gibt uns nur ein Suppen und Fleisch, Brod und Wein ziemlich, etwa lassen wir in einer Stille auch etwas vom Wirth holen und behelfen uns also. Das ich darumb nit schreib, daß wir klagen ob der Spanischen Haltung, oder daß ihr darum ein Trauern und Beschwerniß empfahen sollt. Denn man weiß wohl, wie es mit gefangenen Leuten zugeht. Sondern daß unsre guten Freunde, die vielleicht uns zu solcher Gefängniß gefürdert haben, wissel sollen, daß wir in dem Herrn begnügig und fröhlich seind. Herr Bonaventura ist wohl etwan schwach, Herr Martin, wiewohl er nit sehr nothfest, aber muthig, dergleichen Herr Jörg. Der lieb alt Herr Jacob gehabt sich wohl, wie auch ich und mein lieber Bruder Jörg, dem sonderlich zu kurz geschicht. Aber man muß sonderlich mir ein Panket hieran schenken, das befiehl ich Gott und der Zeit. Wir haben bitter spanische Pfaffen hier, die ohne Zweifel unser Sach schärfen. Das befehlen wir aber Gott. So müssen wir hören, wie wir Lutheraner sind und dem Kaiser rebell und ungehorsam: so doch wir Gott, was Gott, und dem Kaiser, was dem Kaiser zugehört, in aller unterthänigen Gehorsam geben wollen. Man will den Hoff (?)1) unsrer Sach nit verstehn. Es ist alles umb das Interim zu thun, daß man will mit einem Eid, davon kaiserlich Majestät Fürtrag kein Wort meldet, uns beschweren und Ursach suchen, uns meineidig zu machen, daß wir für unsre Person das Interim sollen selber halten, predigen und dawider reden mit Worten und Werk etc. So wir uns vor unsern Herrn, vor dem Herrn Granvel und seinem Sohn uss unterthänigst und demüthigst erbotten, alles das zu thun, so nit wider Gott und unser Gewissen nach Gottes Wort gestaltet ist, das auch ohn gegebene Aergerniß von uns mög geleistet werden. Aber das hat bisher uns nit geholfen, denn man will vielleicht uns heftiger zusetzen dann anderen. Wir hören, daß zu Göppingen soll Mag. Michel auch ein Eid gethan haben, aber nit wie man uns den will zumuthen. So hat dieser Tag von Nürtingen uf mein Schreiben der Hofprädikant mir freundlich und tröstlich zugeschrieben, wie man mit den andern Prädikanten noch nichts fürgenommen, wie auch jedermann mit uns ein herzlich Mitleiden trage: daß der Fürst selber soll geseufzt haben, als er gehört wie wir gefangen, daß Ihr Fürstliche Gnaden auch gern mit uns das Best thäte, so es erschießen möchte, denn er selber der Gnad bedarf. Nachdenken wollen sie auch haben, wie wir erledigt und alsdann, so wir zu Ulm nit bleiben werden, anderswo versehen, und dergleichen etc. Man sagt, im Land richt man 2 Altär auf, hier geht es liederlich zu: man predigt nichts, die Spanier halten Meß in der Kirchen etc.

Wir möchten hören müssen, wir machten der Stadt Ulm einen Anhang, daß wir also halsstarrig wären, das wölle aber Gott richten und alle Gottesfürchtigen. Man weiß wohl, wie ein jeglicher das ab ihm will schieben. Man soll sagen, die ein Ursach unsrer Gefängniß sein wollt, daß das Bier wiederumb naß wäre. Aber was hilft es uns? Gott besser dies und anders, der verleih uns sein Gnad, daß wir sein Namen nit üppig in Mund nehmen. Bald ist ein Eid geschworen, aber auch das nagend Würmlein bleibt nit aus. Ich hör auch, es sollent etliche Herren nit für gut haben, wann ihr liebe Schwestern für eure Männer und Brüder bitten: ihr sollt etwan rüschig und mit Reden scharpff sein, aber man legt euch das euer eben wie uns das unser aus. Allein Geduld und Bescheidenheit gehört hierzu.

P. S. Wann Mag. Lienhard und Herr Wendel von uns den angebottenen Fried und Gruß wöllen aufnehmen, so bieten und wünschen wir ihnen hiermit denselbigen.

1) lies Heft, wo es hebt, happert
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