Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (241).

Calvin, Jean – An Farel in Neuchatel (241).

Konstanz, das vor der Übergabe stand, bat die Eidgenossen, zu seinen Gunsten beim Kaiser Fürbitte einzulegen; auf diese Verhandlung geht wohl der Satz vom Zaubertrank des Odysseus, wenn auch nicht ganz klar ist, was Calvin meint. Toussaint, Pfarrer zu Montbeliard, wurde mit dem Interim bedrängt. Weggelassen sind einige undurchsichtige Nachrichten von Bekannten.

Allerlei Nachrichten. Vorsicht mit Briefen.

Ich denke, wenn du mir auch keine Vorwürfe machst, so wirst du mich doch in der Stille der Faulheit zeihen, dass ich so manchen Boten ohne Brief nach Neuchatel ziehen ließ. Die Entschuldigung, ich hätte nichts zu schreiben gehabt, wirst du wohl auch nicht gelten lassen; und doch, wenn mir auch nie der Stoff zum Schreiben fehlt, erlaube ich mir zu schweigen, wenn nichts Dringendes vorliegt. Wir sind gespannt, ob die Eidgenossen sich den Zaubertrank des Odysseus werden einflößen lassen. Der Herr möge es versehen; auf seine Vorsehung müssen wir uns verlassen, denn ein vernünftiger Wille leitet uns, und wir wissen, dass nicht der Zufall regiert. Soviel man erraten kann, werden sie, wie der Kaiser sie lockt, so ihrerseits ihn in Spannung halten, bis sie die Schutzvorrichtungen, die ihnen nötig scheinen, getroffen haben.

Hier werden wir wie gewöhnlich in Atem gehalten, doch ist es nur leichtes Geplänkel. Täuschen mich nicht alle Vermutungen, so gibt es in Bälde einigen Aufruhr, oder der Winter wird uns an mehreren Orten gewaltige Unruhen bringen. Der gute Toussaint ist nicht ohne Grund in Angst. Zu allen übrigen Schwierigkeiten kommt die Krankheit seines Sohnes. Ersuche also den Chirurgen Pierre, er möge hinreisen, vielleicht ist doch noch eine Linderung möglich. – – –

Kannst du einen ganz zuverlässigen Boten bekommen, so möchte ich, dass du mir alle Briefe sendest, die du von mir je bekommen hast. Viret wird es ebenso machen. Dann schicke ich sie Euch wieder zurück mit bestimmten Erkennungszeichen daran, ob etwa solche dabei sind, die besser nicht von jedermann gelesen werden. Wenn Ihr wollt, will ich jedem von Euch auch die seinen schicken, damit Ihr ähnliche Zeichen darauf anbringt. Ich will dann schon dafür sorgen, dass die bezeichneten beiseite gelegt werden.

Christophe habe ich noch nicht gesehen. Herr de Falais ist eben bei mir; ich hoffe, er wird den Winter über hier bleiben. Ich habe zustande gebracht, dass er alle Bedenklichkeit, die ihm aus deinen Worten kommen konnte, fallen ließ. Da er dich immer mehr lieb gewonnen hat und immer mehr auf dich hält, wurde er umso ängstlicher, du könntest dir seinen Glauben anders denken, als wie er wirklich sei. Natürlich wirst du darauf antworten, du habest ein Bekenntnis verlangt als nötig für die Kirche und ihre Erbauung; er habe es so missverstanden, du verlangest von ihm persönlich ein Bekenntnis, wie wenn er noch keines abgelegt hätte. Beide lassen dich freundlich grüßen, ebenso meine Kollegen und meine Frau, die an einer langwierigen Krankheit darnieder liegt. Auch ich hatte in diesen Tagen mit Kopfweh zu tun und mit Leibschmerzen, die sich zu ernstlichen Anfällen steigerten. Lebwohl, lieber Bruder und Freund, samt deinem Haus und den Brüdern, besonders meinem Gastfreund Faton, dem ich aber bald die Freundschaft aufkünde, wenn er uns nicht auch einmal besucht.

27. August 1548.
Dein Johannes Calvin.

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